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Indianische Wissenschaftler
Artikel von Daniel Gibson aus Native Peoples Nov./Dez. 2002, übersetzt von Curt-Dietrich Asten, Interessengemeinschaft für Nordamerikanische Völkerkunde 1964 Berlin e.V.  Indianische Wissenschaftler starten mit Hilfe der "American Indian Science & Engineering Society" einer gemeinnützigen nationalen Organization By Daniel Gibson | | | | Die Indianer sind als großartige Künstler anerkannt und ihre Geschichte als stolze und mutige Krieger ist allseits bekannt. Und sie sind sowohl in ihrer Romantisierung als auch in der Wirklichkeit als Mystiker verehrt worden, die die Grenzen menschlichen Bewusstseins und Seins erkunden. Heute aber wirken sie im Verborgenen auch als Ingenieure der Elektro-, der Luftfahrt-, der Software- und der Werkzeug-Branche. Sie arbeiten als Biologen in der Forschung, als Geologen für die Ölindustrie, als Hydrologen, als Ärzte, Erfinder und sogar als Astronauten. Das ist zwar nichts Neues so war z.B. Ely Parker (Seneca) sowohl Ingenieur als auch Kriegsminister unter Ulysses S. Grant, während Susan LaFlesche-Picotte (Omaha) in den späten 1880er Jahren die erste indianische Ärztin war doch all diese Leute erweitern rasch die herkömmliche Definition dessen, wer und was ein Indianer sei. Seit einem Treffen der klugen Köpfe in einer dunklen und stürmischen Nacht des Jahres 1977 auf der Winrock Ranch in Arkansas, haben sich viele aus dieser wachsenden Gruppe indianischer Akademiker unter dem Banner der American Indian Science and Engineering Society (AISES / Indianische Gesellschaft für Wissenschaft und Ingenieurwesen) zusammengeschlossen. Der Aufschwung und die Entwicklung von AISES gibt einen Einblick auf ein einzigartiges Gebiet indianischer Erfahrung unserer heutigen Zeit. Als Everette Chavez (Santo Domingo Pueblo) in Neu Mexiko aufwuchs und dort die örtliche High School besuchte, drängte man ihn zur Lehre in einem Büro- oder Handwerksberuf. Hierzu sagt er: "Indianern wurde weisgemacht, sie seien nicht fähig, Mathematik oder Wissenschaften zu studieren. So ein Blödsinn". Stattdessen schrieb er sich im DeVry Institute of Technology in Chicago ein und machte sein Diplom als Elektroingenieur. "Es war ein mächtiger Kulturschock", erinnert er sich, "es bedurfte meines eisernen Willens, dort durchzuhalten". Er schaffte es und machte an der Universität von New Mexiko einen weiteren Abschluss, mit dem er für lange Jahre eine Stellung als hoch qualifizierter Techniker erlangte und ihn befähigte, heute den Posten des Leitenden Direktors von AISES auszufüllen. Zu den Gründungsmitgliedern von AISES gehören der Hydrologe Al Qoyawayma (Hopi; s.a. seine Kurzbiographie weiter unten), der Ingenieur und Pädagoge George Thomas (Cherokee), der Geologin und Pädagogin Carol Metcalf Gardipe (Penobscot / Passamaquoddy), der Chemie-Ingenieur Andy Anderson (Mohawk), der die meiste Zeit seiner Berufslaufbahn bei der Union Carbide verbrachte, der Geologe Jim Shorty (Navajo), der am Sandia National Laboratory arbeitet und der technische Geschäftsführer der NASA, Jerry Elliot (Osage/Cherokee). Es ist eine illustre Gruppe. Weshalb wurde AISES gegründet? Hierzu bemerkt Carol Metcalf Gardipe, die zu den wenigen Geologinnen ihrer Zeit überhaupt gehörte, und die eine umfangreiche Laufbahn bei der U.S. Geologischen Forschungsbehörde, bei der Nationalen Ozeanographischen und Atmosphärischen Administration, sowie Berufungen als Professorin und Verwalterin an Hochschulen hinter sich hat: "Es ergab sich eine große Notwendigkeit, denn Indianer waren auf den wissenschaftlichen und technologischen Feldern kaum vertreten." Und Thomas, der zu Beginn der 1980er Jahre als zweiter Direktor von AISES fungierte und heute erneut zum Vorstand gehört, erklärt: "Seinerzeit war es offensichtlich, dass technische Kenntnisse nötig sind, um vernünftige und kluge Entscheidungen hinsichtlich der Entwicklung von Ressourcen auf den indianischen Reservationen zu fällen, die dem Wohl der Stämme dienen sollten. Mittlerweile mussten wir feststellen, dass einige Leute zu ihren Stämmen zurückkehrten, um dort zu arbeiten, während andere ihr Fortkommen in der Industrie suchten. Wir erleben, dass nur ein geringer Prozentsatz zurückkehrt, und so war es notwendig, und ist es auch noch heute, eine größere Basis zu schaffen." Der ehemalige Stipendiat des Weißen Hauses, Amtsleiter des Stammes der Cherokee, Ausbildungsleiter des Council of Energy Resource Tribes (Rat der Stämme mit Energievorkommen) und langjähriger Beamter des ARCO-Konzerns fügt hinzu: "AISES' größter Beitrag war, das Vorurteil zu entkräften, wir könnten indianische Studenten nicht zu technischen Wissenschaftlern machen, weil sie weder Mathematik noch Wissenschaft begreifen könnten. Sie können! Wir haben es bewiesen, und geholfen, einen Kader von Vorbildern zu schaffen. Sind "Indianer" in der Lage, gute Wissenschaftler zu werden? Hierzu meint Elliot: "Ich denke, das liegt aufgrund unserer Verbundenheit mit der Erde, unseren geistigen Überzeugungen und unserer Achtung gegenüber den allgültigen Gesetzen des Schöpfers tatsächlich in der Natur der ,Indianer'. Wissenschaft ist doch wirklich nichts anderes als ein Weg die Dinge zu verstehen, die der Schöpfer geschaffen hat. Für uns ist das nicht nur eine wissenschaftliche Tätigkeit; Wissenschaft und Theologie sind ein und das selbe. So ist es auch falsch, zu glauben, die eine oder andere Kultur wäre zur Technologie nicht fähig. Nehmen wir doch das Tipi als Beispiel. Es zeigt eine hoch aerodynamische Form, die sowohl heftigen Winden als auch Schneelasten widersteht und besitzt die Fähigkeit, sowohl Wärme als auch Kühle zu halten." Solcherlei Einsichten nutzte Elliot über mehr als 36 Jahre, während der er für die NASA am Space Shuttle Programm und in der Flugkontrolle der Gemini- und Apollo-Programme arbeitete. Elliot war es auch, der als verantwortlicher Retrofire Offizier dem in Not geratenen Raumfahrzeug Apollo 13 zu einer sicheren Rückkehr und Landung verhalf. Ist es aber solchen außergewöhnlichen Indianern möglich, ihre Verbindungen zu ihrem Volk und ihren Traditionen beizubehalten? Der Direktor von AISES, Chavez, nimmt noch immer an allen traditionellen Zeremonien seines Pueblos teil. "Es hat meine Stammesidentität nicht kompromittiert; es hat sie sogar gestärkt" sagt er. Elliot nimmt jedes Jahr im Juni an den Tänzen seines Stammes teil und hat in der Vergangenheit auch die Visionssuche auf sich genommen. Er sagt: "es gibt keine Trennung im Leben. Wir müssen das Leben als eine Ganzheit sehen, wenn wir das Große Mysterium ergründen wollen." Bob Whitman (Navajo), der Vorsitzende von AISES machte seinen Doktor in Elektrotechnik an der Universität von Colorado und lehrt als Technologie-Professor an der Universität von Denver. Er kommt zu dem Schluss: "Wenn wir nur wollen, können wir fast alles erreichen. Man muss sich nur ein Ziel setzen und dieses [eisern] verfolgen. Aufgrund unseres kulturellen Hintergrundes, haben wir eine etwas andere Weltschau und wir können diese Perspektive und die andere Sicht- und Herangehensweise einbringen. Das ist von großem Wert." Daniel Gibson ist Herausgeber von Native Peoples. Sein jüngstes Buch ist: Pueblos of the Rio Grande: A Visitor's Guide (Rio Nuevo Publishers) | | John Herrington erster indianischer Astronaut von Philip Chien; Übersetzung: Curt-Dietrich Asten Mehr als 200 Amerikaner waren nun schon im Weltall und jetzt wird diese geachtete Gilde schließlich um einen Indianer erweitert. John Herrington von der Nation der Chickasaw in Oklahoma wird der erste, in einer Stammesrolle eingeschriebene Indianer im Weltraum sein, wenn die SST-113 am 10. November vom Kennedy-Weltraum-Zentrum aus starten wird. Herrington gilt als Spezialist dieser für den Zusammenbau der Internationalen Raumstation so wichtigen Mission. Als Flugingenieur arbeitet er mit den Piloten beim Start und bei der Landung zusammen und wird außerdem drei "Weltraumspaziergänge" auszuüben haben. Überraschenderweise ahnte Herrington nicht einmal, dass er als erster eingeschriebener Indianer zum Astronauten berufen wurde, bis er von der NASA den Bescheid erhielt. Dazu bemerkt er: "Ich hatte nicht vor, ein Vorreiter zu sein, doch ich denke, dass es sehr wichtig ist. Für eine Menge Leute bedeutet dies sehr viel. Wenn mein Tun auch nur für einige den Unterschied ausmacht und sie erkennen, dass sie ihre Träume verwirklichen können, dann ist es genau das, was zählt." Als Astronaut hat Herrington vor über 50 Gruppen und Tausenden von Zuhörern darüber gesprochen, was es bedeutet, ein Astronaut zu sein. Die Tatsache, dass er ein Astronaut ist, bestätigt seine persönliche Tatkraft. Herrington wuchs in den 1960er Jahren auf, einer Zeit, in der viele Indianer entmutigt wurden, sich zu ihrer Herkunft zu bekennen und so erfuhr er erst in den 1970er Jahren von seiner Mutter: "Du bist ein Chickasaw; lassen wir dich in die Stammesrolle einschreiben." Am 4. September 1958 in Oklahoma geboren, verließ seine Familie den Staat als er gerade ein Jahr alt war. Als Kind wuchs er in Riverton, Wyoming, auf und liebte das Spiel mit einem Karton, den er zu einem Raumschiff formte, um damit zum Mond zu fliegen, und er baute Miniaturraketen, in deren Frachträume er Käfer setzte. Seine Träume vom Fliegen bekamen allerdings einen Dämpfer, als ein Lehrer ihm erklärte, er wäre zu dumm für Algebra. Nach dem Schulabschluss 1976 von Plano High in Texas ging er aufs College, wurde dort aber wegen schwacher Leistungen entlassen. Er begann als Koch zu arbeiten und trieb sich extensiv auf Partys herum. In einem Interview mit der Billings Gazette (Montana) sagte er einmal: "Ich begann den falschen Weg zu gehen." Doch schließlich ging er wieder aufs College zurück, und zwar auf die Universität von Colorado in Colorado Springs, wo er dann 1983 seinen Bachelor-Abschluss in angewandter Mathematik machte. Danach schrieb er sich bei der U.S. Navy's Aviation Officer Candidate School [Marineflieger Offiziersanwärter Schule] ein, wo er sich zum Piloten ausbilden ließ. Anschließend wurde er zu Aufgaben eingesetzt, die u.a. russische U-Boote aufspüren sollten, er diente als Fluglehrer für Überwachungsflugzeuge und schließlich als Testpilot. Im Jahre 1995 machte er seinen Magister-Abschluss als Luftfahrtingenieur und bewarb sich im Jahre 1996 zusammen mit 2.500 anderen Bewerbern um eine von insgesamt 35 ausgeschriebenen Astronautenstellen bei der NASA. Er, dem man als Kind erklärte, für Algebra zu dumm zu sein, wurde angenommen. Tatsächlich verbringen Astronauten die wenigste Zeit damit, im All herumzufliegen, bzw. gar für eine ganz bestimmte Mission zu trainieren. Die meiste Zeit verbringen sie damit, mit Ingenieuren und Wissenschaftlern zusammenzuarbeiten, indem sie sozusagen die Stimme des Astronautenkorps verkörpern und die Vorschläge für Astronauten im All einzubringen. Nach seiner Ausbildung zum Astronauten wurde Herrington zunächst dazu berufen, zusammen mit Ingenieuren das Globale Positions-System (GPS) für das Shuttle und die Raumstation zu entwickeln. Bevor man die einzelnen Teile des GPS fest in das Shuttle einbaute und sich auf darauf verließ, dass es in kritischen Situationen auch funktionierte, musste die NASA es in unkritischen Experimenten testen. Er erinnert sich: " Diese Arbeit entsprach genau dem, was ich in der Ausbildung gemacht hatte; das war toll. Aufgrund dieser Arbeit berief man mich dazu, bei der Entwicklung von Bewegungs-Kontroll-Systemen für die Raumstation mitzuwirken. Zusammen mit den Ingenieuren arbeitete ich an der Entwicklung der Displays und Verfahren sowie an der Handhabung und Aufrechterhaltung dieses Systems." Die STS-113-Mission hat zwei Schlüsselaufgaben. Zum einen dient sie der Ablösung der Langzeitmannschaften der Raumstation und zweitens dem Transport eines ca. 14 t schweren und ca. 13 m langen Trägers zum Anbau an die Raumstation. Diese Arbeit verlangt von Herrington insgesamt drei Weltraumspaziergänge. Er beschreibt diese Arbeit als die eines "erstrahlenden Schlossers", wobei er ganz nebenbei vergisst zu erwähnen, dass Metallwerkzeuge und Teile der Station im Sonnenlicht auf über 90° Celsius aufgeheizt sind und daher längerer Kontakt schwierig ist. "Mit ein und demselben Flug lösen wir die Crew ab und verrichten wichtige Aufbauarbeiten, und das mit einer sehr kleinen Mannschaft. Im Zusammenwirken mit dem ganzen Wasserkopf, der nun einmal mit solchen Austauschoperationen verbunden ist, wird das eine ziemliche Mühe werden." AISES schenkte Herrington drei Adlerfedern, und eine vierte gab ihm ein Medizinmann der Cherokee. Herrington wird drei der Federn mit ins All nehmen. Wenn die Mission abgeschlossen ist, beabsichtigt er, eine derselben an AISES zurück zu geben und eine dem Smithsonian Museum of the American Indian zu übergeben. Herrington meinte, er hätte noch nicht entschieden, was er mit der dritten Feder anstellte, doch dächte er daran, sie einer speziellen Organisation zu geben, die sie so ausstellen sollte, dass die Bevölkerung sie betrachten könnte. Er wird auch eine Pfeilspitze bei sich haben, die seine Tante gefunden hatte, und wird die Flaggen der Chickasaw- und der Crow-Nation mitnehmen und sie stolz als Banner der Indianer im All aufpflanzen. Philip Chien hat in den vergangenen 12 Jahren für verschiedene Publikationen über das Weltraumprogramm geschrieben. Anlässlich technischer Konferenzen hat er zahllose Beiträge über die Luftfahrtindustrie vorgelegt. Weitere "Indianer" beim Raumfahrtprogramm Herrington ist weder der erste, noch der einzige Indianer, der mit dem Raumfahrtprogramm zu tun hat. Der Ingenieur Jerry Elliot (Osage/Cherokee) arbeitete seit Mitte der 1960er Jahre bei der NASA und erhielt im Verlauf dieser Zeit die ,Präsidentenmedaille der Freiheit' (s. den Einführungsbeitrag über AISES). Astronaut Robert Crippen, der an vier Flügen der Raumfähre teilnahm, davon drei als Kommandant, ist ebenfalls indianischer (Cherokee) Herkunft, er war jedoch nie ein eingeschriebenes Stammesmitglied. | | | | Al Qoyawayama Ein außergewöhnlicher Ingenieur und Töpfer Von Bruce Hucko; Übersetzung: Curt-Dietrich Asten Al Qoyawayama geht verschiedene Wege: Töpfer. Dichter, Ingenieur, Pädagoge. Sein Leben ist eine Reihe von Geschichten, die zwischen zwei offenbar verschiedenen Welten geruhsam hin und her driften. Einerseits ist er ein hoch qualifizierter und anerkannter Ingenieur, der sich mühelos unter den leitenden Managern der amerikanischen Geschäftswelt bewegt, andererseits ist er ein meisterhafter Töpfer mit starken Bindungen an seine Hopi-Wurzeln. Stelle einem "Indianer" eine Frage und er wird zumeist mit einer Geschichte antworten. Eingebunden in eine solche Geschichte liegt die Antwort auf deine Frage. Als ich ihn danach fragte, wie er es fertig bringt, sein Leben in zwei doch offenbar so unterschiedlichen Welten im Gleichgewicht zu halten, bekam ich vier Stunden lang Geschichten zu hören, aus denen sich ein höchst wissbegieriger und kreativer Geist herausschälte, der durch keinerlei Regeln, welcher Kultur oder Erziehung auch immer, eingezwängt ist. Qoyawayamas Gedanken wandern frei durch solche Gebiete der mathematischen Theorien, Archäologie, Atomphysik, Sprachwissenschaft, Architektur, Geschichte und vieler weiterer Felder. Diese höchst ausgeprägte Fähigkeit der Anpassung "entspringt direkt aus der Psyche des Indianer-Seins", erklärt Qoyawayma. Al Q, wie er von seinen Freunden genannt wird, wuchs als Einzelkind in Kalifornien auf, wo er ausgiebig das Land erkundete. Als er in die sechste Klasse ging, entdeckte er das Chemiebuch aus den Collegetagen seiner Mutter, und nun ließ es ihn nicht mehr los, zu experimentieren. Rauchbomben entwickelten sich zu Maschinenwerkzeugen, die sich auf der High School wiederum zu kraftvollen Fahrzeugmotoren wandelten. Danach machte er mehrere Abschlüsse in den Fächern Maschinenbau, Bauwesen und Umweltschutz. Von Zeitgenossen wird sein Leben als "zauberhaft" beschrieben, und wirklich ist sein Lebenslauf voll großer Errungenschaften. Er ist an Patenten auf Hauptleitsystemen für Flugzeuge beteiligt. Er gründete und leitete die Umweltabteilung des Salt-River-Project (einer in Arizona ansässigen Kraftwerks-Gesellschaft. Ihm ist von der Universität von Colorado die Ehrendoktorwürde der humanistischen Wissenschaften verliehen worden, er wurde 1986 mit dem Ely S. Parker-Preis der AISES ausgezeichnet und war 1989 von der California Polytechnic State University zum "Alumnus des Jahres" gewählt worden. Es spricht für ihn, dass sich Qoyawayma nicht von der Techno-Welt kontrollieren lässt. Oft kombinierte er das Motto seines "Coyote-Clans": "Tu das Richtige durch das Volk" mit seinem kolossalen Wissen, um Stämmen zu helfen, oft nur durch eine einzige prägnante Frage, die eine Schludrigkeit aufdeckte oder jemanden betraf, der seine Arbeit nicht verrichtet hat. Er nahm eine Schlüsselrolle sowohl beim Salt River Project als auch beim Central Arizona Project ein, indem er dafür sorgte, dass den betroffenen Stämmen Information und Aufklärung zuteil wurde. Ihm ist bekannt, dass, wenn indianische Völker gerecht behandelt werden, auch Hoffnung besteht, dass die Welt gerecht behandelt wird. Während seines Studiums der technischen Wissenschaften besuchte Qoyawayma häufig seine Tante Polingaysi, die Töpferin und Pädagogin Elizabeth White. Viele Wege seines Lebens führt er auf ihren Einfluss zurück. Polingaysi ermahnte ihn stets: "Nimm das Beste aus anderen Kulturen und verbinde es harmonisch mit dem, was du bereits hast. Greife ohne Furcht danach." Die Worte seiner Tante in den Ohren, wünschte er sich, den indianischen Völkern zu helfen, was dazu führte, dass Qoyawayma bei der Gründung von AISES mithalf und ihr erster Vorsitzender wurde. Qoyawayma meint: "Diese Technik-Krieger sind Baumeister und Denker, die darauf aus sind das, was aus der Vergangenheit wertvoll ist, zu bewahren und Wege aufzuzeigen, wie heute und zukünftig gelebt werden können. Da gibt es zerstörte Gebiete und zerstörte Leben, denen Wissenschaft und Technik helfen kann, sofern dies aus der Hand von ausgebildeten Indianern geschieht, die sich ihre alt überlieferten Stammeswerte bewahrt haben." Dieser wissbegierige, aufnahmebereite Geist des Ingenieurs hat genauso gut der Kunst gedient. Bekannt für seine brillanten weißen Tongefäße, ehrt seine neueste Kreation die Sikyatki Serie sein Dasein als Hopi insgesamt. Wissenschaftliches Denken nutzend und den Mut, Fehler zu begehen, um daraus zu lernen, kommt Qoyawayma dem Tongemisch seiner Vorfahren den Hopi Töpfern von Sikyatki schon sehr nahe. Er verband diese Kenntnis mit eleganten Mustern und gedämpft erdfarbenen Tonglasuren zu ausdrucksvollen Töpferarbeiten. So erscheinen Maismütter neben Astronauten als Relief und symbolisieren so die kulturelle und geistige Beständigkeit. Es sieht so aus, als habe sich Qoyawaymas Lebenskreis geschlossen, der seinen eigenen Dichterworten ähnelt: " Der Töpfer haucht dem Lehmklumpen Leben ein ... und dieser spricht ,mache mich schön, mache mich zu dem, was ich sein soll' ...". Qoyawayma ließ sich durch die Hände des "Großen Töpfers, des Schöpfers" zu Zielstrebigkeit, Integrität und einem stark ausgeprägten kreativen Denken formen. Bruce Hucko durchstreift die natürlichen und gesellschaftlichen Landschaften des Westens um Moab, Utah. Er ist Autor und Fotograf von Büchern über frühe und zeitgenössische Kulturen, einschließlich der Kunst von Kindern. Seine außergewöhnlichen Fotos zierten erst kürzlich das Buch Willeto Collective: The Visionary Carvings of a Navajo Artist (Museum of New Mexico Press, 2002)
Mary Ross Pädagogin und Raumfahrt Ingenieurin Von Laurel M. Sheppard; Übersetzung: Curt-Dietrich Asten Es war im Jahre 1958 als Mary Ross (Cherokee) die Kandidaten in der populären Fernsehschau "Was bin ich?" verblüffte. Was Wunder! Wer konnte auch schon ahnen, dass die Ur-Ur-Enkelin des Cherokee-Anführers John Ross eine erstklassige Ingenieurin bei der hochtrabenden Lockheed Corporation war. Heute, im Alter von 94 Jahren in ihrem Haus in Los Altos, Kalifornien, bemerkt die willensstarke Ross, dass das Leben ihres berühmten Vorgängers "nach wie vor eine Inspiration für alle seine Nachkommen darstellt." John Ross, der 40 Jahre lang erster Anführer der Cherokee war, war auch ein Verfechter von Bildung und half beim Aufbau der ersten Höheren Schulen bei den Cherokee in den 1850er Jahren. Diese Gewichtung von Bildung wurde in der Familie zur Tradition, und während Mary heranwuchs wollte sie keinen Schultag versäumen. Tatsächlich schloss sie die High School mit 16 Jahren ab und immatrikulierte am College mit dem Hauptfach Mathematik, das sie so sehr mochte. Nachdem sie 1928 ihr Bachelor-Examen am Northeastern State Teachers College (Tahlequah, Oklahoma) abgelegt hatte, setzte sie die Familientradition fort und verbrachte neun Jahre an öffentlichen High School des nordöstlichen Oklahoma, wo sie Mathematik und Naturwissenschaften lehrte. "Zu beobachten, wie sich junge Menschen entwickeln, gab mir eine spezielle Befriedigung", sagt Ross. Schließlich, und um den Rat ihrer Eltern zu befolgen, nämlich "die bestmögliche Ausbildung zu erlangen", machte sie 1938 am Colorado State College of Education ihren Doktor der Mathematik; zeitgleich arbeitete sie an einer in indianischen Internatsschule. Ross ist absolut davon überzeugt, dass man zusätzlich zu einer guten Ausbildung, seinen Horizont ständig erweitern sollte. Diese Überzeugung führte im Jahre 1942 dazu, dass sie bei der Lockheed Aircraft Corporation (heute Lockheed Martin) anfing, einem weltweit führenden Luftfahrt-Unternehmen. Nach Beendigung eines Forschungsprojektes um das P-38 Jagdflugzeug, erhielt Ross eine Fortbildung in der Luftfahrttechnik und wurde Lockheeds erster weiblicher Ingenieur, was alleine für sich schon ein großer Erfolg war. Sie leitete weiterhin bahnbrechenden Forschungen, die eine Schlüsselrolle im Wettlauf der Vereinigten Staaten zum Mond darstellten. Dies schloss die Entwicklung der ersten Trägerrakete, der Agena Rakete, ebenso ein, wie die Arbeit an Raketen- und Satellitensystemen. "Das Beste an der Arbeit als Forschungsingenieurin war, dass man jeden Tag etwas neues entdeckte," sagt Ross. "Ich arbeitete an Entwürfen für Fahrzeuge, von denen zuvor niemand auch nur geträumt hatte ich empfand dabei eine immense Befriedigung." Eine andere Leitlinie befolgte Ross in ihrem Leben ebenfalls, nämlich "beteilige dich an den Dingen, die um dich herum geschehen". So kam es, dass sie nur drei Jahre nachdem sich die Society of Women Engineers im Jahre 1950 gegründet hatte, die Los Angeles Sektion derselben aufzubauen half. Sie hielt die meisten Leitungsposten inne, sowohl auf Sektions- als auch auf nationaler Ebene, und als sie im Jahre 1973 in den Ruhestand ging, war sie auch bei der Organisation des Nationalkonvents der Society of Women Engineers dabei. Für diese Mitwirkungen und für ihre Erfolge als Ingenieurin wurde Ross 1982 zum Ehrenmitglied dieser Gesellschaft gewählt. Im Verlauf der Jahre spielte sie auch eine leitende Rolle bei AISES. Im Jahre 1984 wurde Ross zusammen mit ihrem Cherokee Kameraden, dem Astronauten Robert Crippen, auf der Nationalversammlung von AISES mit der Mitgliedschaft auf Lebenszeit geehrt und im Jahre 1985 erhielt sie von AISES den "Ely S. Parker Preis", so genannt nach Ely S. Parker (Seneca), dem ersten indianischen Wissenschaftler u. Ingenieur, der weitreichende Anerkennung fand. Ebenfalls 1985 erhielt Ross den Adlerfeder-Preis für Erfolge vom Council of Energy Resource Tribes (Rat der Stämme mit Energievorkommen). Und sie war völlig überrascht, als der Rat dann den Preis ihr zu Ehren umbenannte. "Das war schon ein echtes Vergnügen, die nachfolgenden Empfänger zu treffen. Es waren solche herausragenden indianische Vertreter", sagte Ross. Selbst drei Jahrzehnte nachdem sie in den Ruhestand gegangen ist, erhält Ross immer noch Ehrungen und Preise. Trotz aller Erfolge, sieht diese bescheidene Frau ihre größten Beiträge als Ingenieurin in der Grundlagenforschung an orbital und "passierenden" Raumfahrzeugen, die sie in den 1960er Jahren geleitet hatte. "Diese Fahrzeuge brachten uns neue Erkenntnisse vom Universum" sagt Ross, "und heute wissen wir mehr über die Planeten als je zuvor. Ich bin sehr stolz darauf, mitgeholfen zu haben, diese Entdeckungen zu ermöglichen." Laurel M. Sheppard ist Präsidentin der Lash Publications International (www.lashpublications.com), die Schreib- und Verlagsdienste anbieten. Sie ist mitwirkende Herausgeberin für die Society of Women Engineers und schreibt für eine Reihe weiterer Publikationen. | AISES auf einen Blick Die vorrangige Zielsetzung der AISES ist es, "indianischen Studenten der Naturwissenschaften und Technologie zu helfen, sich in der Welt zurechtzufinden", sagt der leitende Direktor Everette Chavez. "Wir sind eine Familie". Dr. Clifton Poodry (Seneca), der als Biologe und Genetiker in den Nationalen Gesundheitseinrichtungen in Bethesda, Maryland, angestellt ist, bemerkt: "Als ich ein Collegestudent war, fühlte ich mich wie ein Sonderling. Als ich dann in den ausgehenden 1970er Jahren die AISES entdeckte, war es so aufregend und erstaunlich; ich hatte das Gefühl, meine Gemeinschaft gefunden zu haben; es war, als sei ich zuhause angekommen." Programme: · College Stipendien (etwa US $ 600,000 werden jedes Jahr an Studierende der Naturwissenschaften und Technologie vergeben) · Verbindung zu Schulen von Vorschule bis 12. Klasse (130 Schulen erhalten das von der AISES entwickelte indianische Wissenschaftscurriculum) · College Abteilungen (160 Abteilungen verteilt über die USA und Kanada helfen indianischen Jugendliche auf ihrem Weg in die berufliche Karriere; Jahresbeitrag von $ 10) · Professionale Abteilungen (17 Abteilungen vermitteln potentielle Netzwerke und Mentoren; Jahresbeitrag von $ 40) Lehrerfortbildung (mehr als 100 Lehrer sind damit beschäftigt, einen Lehrplan mit indianischer Perspektive zu entwickeln) · Sommerpraktika (bezahlte 10-wöchige Programme mit Regierungseinrichtungen) · Winds of Change Magazin (hochrangige, professionelle Publikation) · Jährliche Frühjahrskonferenz für Führungskräfte (unter Einschluss von Beratungsgesprächen mit indianischen Ältesten) · Indianische Wissenschafts- und Ingenieursjahresmesse (mit über 500 Schülern der Klassen 9 bis 12, mit den Gewinnern, die danach an internationalen Wettbewerben teilnehmen; 2003 findet diese Messe vom 6. bis 10. März in Albuquerque statt) · Nationale Jahreskonferenz (Studenten und Berufserfahrene treffen sich zu Workshops, Berufsmessen, · Cesprächsrunden und zum Kennenlernen; Veranstaltung 2003 vom 20.-23. November in Albuquerque) · Gerade wurde eine neue, der AISES angeschlossene Stiftung gegründet, um die finanzielle Basis zu erweitern, die sich zur Zeit auf die Unterstützung durch die Regierung und Unternehmen konzentriert. Detailinformationen: P.O. Box 9828, Albuquerque, NM 87119, Tel. 505/765-1052, www.aises.org | | |
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