| Während
indianische Künstler schon seit langer Zeit zur Weltklasse gehören,
wenn es um Kunstgegenstände wie Textilien, Schmuck und Töpferwaren
geht, haben sie dagegen erst seit kurzem ihren verdienten Platz in der
Reihe der großen Maler der Welt eingenommen. Hier gewähren wir
Einblicke in die Arbeit und das Leben von vier hochtalentierten
indianischen Malern, die entsprechende Anerkennung verdienen: Michael
Kabotie, Mateo Romero, Norma Howard und Mario Martinez. Ihre
Kreativität spiegelt die Bandbreite von herausragenden Arbeiten in
diesem Feld, wie sie heute von indianischen Malern geleistet wird. Von
Gregory Schaaf, Ph.D. (Cherokee) Übersetzung: Alexandra Galindez,
Waiblingen    Michael
Kabotie, Nachfahre des Snow Water Klans der Hopi auf der Zweiten Mesa,
kam in den späten Sechzigern als Künstler mit einer Vision vom klaren
Design auf. In den Siebzigern wurde er Sprecher der Vereinigung „Artist
Hopid“, die aus fünf Hopi-Malern besteht und noch heute inoffiziell
existiert. „Wir, die Hopi haben von einem spirituellen Standpunkt aus
und als lebende Kraft viel zu bieten“, sagt er und erklärt so das Ziel
der Gruppe. „Wir hoffen, dass die amerikanische Spiritualität durch die
Präsentation unserer Tradition und durch die Interpretationen des
Hopi-Stils in unserer Kunst und unseren Bildern eine neue Richtung
einschlagen kann. Kabotie
und seine Mitstreiter haben einen Stil entwickelt, in der traditionelle
Hopi-Kiva- Wandmalerei von Awatovi, Kawai Ka’a und Pottery Mound
(prehistorische Siedlungen) mit dynamischen Kennzeichen der mytischen
Hopi-Traditionen verschmilzt. Sie lassen sich auch von Stickerei- und
Korbflechtdesigns der Pueblo-Indianer sowie von den dynamischen
Merkmalen der historischen mündlichen Hopi-Traditionen inspirieren.
Ausgehend von der reichen historischen Symbolik für moderne
Designelemente der Hopi-Kultur, hat Michaels Vater, Fred Kabotie, in
den Vierzigern auch einen Versuch unternommen eine neue Form von
Hopi-Schmuck, den Overlay-Stil zu entwicklen.
Fred Kabotie malte auch im Stil des Realismus. Michael bewegte
sich jedoch jenseits dieses Stils hin zu einer abstrakten Form, die
eine starke Symbolik beinhaltet. Während Freds Bilder Hopi-Zeremonien
darstellten, vermitteln Michaels Bilder die Gefühle, Bewegungen, Gebete
und spirituellen Bedeutungen hinter den Zeremonien – Gebete für Regen,
für das Keimen von Samen und für innere Reinigung.
Kunsthistoriker
mögen in Michael Kaboties Acrylmalerei Eigenschaften erkennen, die an
den Kubismus von Pablo Picasso, George Braque und Fernand Léger
erinnern. Andere wieder sehen in seiner Arbeit den expressionistischen
Stil des in Russland geborenen Malers Vasily Kandinsky. Wie dem auch
sei, Kabotie und sein Künstlerkreis waren sich diesen internationalen
Kunstrichtungen weitgehend unbewusst, bis Kunstsammler damit begannen
zu kommentieren, wie ihre Kunst scheinbar in diese Stilrichtungen der
schönen Künste auf eine neue Weise vordringt. „Ich wurde so
neugierig auf diese internationalen Meister der Kunst, dass ich
schließlich zu einer Ausstellung deren Werke in Südkalifornien ging“,
sagt Kabotie. „ Dort sah ich zum ersten Mal Originalbilder von
Kandinsky und anderen aus der Nähe. “Trotzdem, Kabotie sagte zu einem
seiner Mentoren, Santa Clara Pueblo-Künstler Pabilta Velarde, dass
seine Hopid-Künstler-Gruppe ihre Inspiration tatsächlich von frühen
Pueblo- Malern bekam. „Ich sagte zu ihr, ‚Wir malen die gleichen
Inhalte: Tänzer, Sänger, Trommeln...wir hören die Trommeln, den
Rhythmus der Lieder and wir konzentrieren uns auf die Bewegung der
zeremoniellen Kleidung. Der Unterschied liegt darin, dass wir diese
Bilder dann abstrahieren’.“
Kabotie wird tiefgehend von Musik beeinflusst, wie man besonders an
seiner „Gesangs-Serie“ erkennen kann. Wandgemälde auf Pueblo-Kivas
reflektieren den Gesang heiliger Lieder. Während er voll in die
Hopi-Zerermonialgesellschaft integriert ist, hört sich Kabotie jedoch
auch gregorianische, peruanische und keltische Gesänge an sowie auch
Werke von den unterschiedlichsten Komponisten wie etwa Beethoven, Jim
Morrison und the Doors. „ Ihre Musik sucht aus tiefster Seele nach dem
inneren Geist“, stellt er fest. Er sieht auch Parallelen zwischen der
Hopi-Philosophie und anderen Welttraditionen. Der Hopi-Künstler hat
zusammen mit dem keltischen Künstler Jack Dauben kulturübergreifende
Kollaborationen erforscht und dabei Folgendes bemerkt: „
Hopi-Initiation bedeutet, dass man den inneren Geist findet, ähnlich
wie im Buddhismus. Unsere Schöpfer-Vernichter-Geschichten der inneren
Reinigung sind wie die Geschichte von Phönix oder auch wie Erzählungen
im Hinduismus.“
Kabotie und die Artist Hopid beabsichtigen mit ihrer Kunst Teil einer
„spirituellen Heilungsbewegung“ zu sein. “Dadurch, dass sie die Wurzeln
ihrer Herkunft verfolgt haben, konnten sie herausfinden, dass ihre
Vorfahren Angst in Heiligkeit umwandelten. „Es besteht eine
Verwandtschaft zwischen dem Hopi-Wort für Angst (utí) und unserem Wort
für heilig (utí he é). Wie begegnen wir der Angst? Das ist es worum es
bei den heiligen Hopi-Clowns geht. Ihre komischen Parodien über die
gestörten sozialen Verhältnisse werben für Harmonie innerhalb der
indianischen Gemeinschaften. Das Gegenteil der „Hopi-Lebensweise“ ist
koyaanisqatsi, was soviel bedeutet wie “das Leben aus dem
Gleichgewicht“. Kabotie fasst zusammen: „Den Mittelweg zu finden ist
der Kern aller spirituellen Bewegungen und auch der Kern meiner Kunst.“
Michael Kabotie wird seine Werke auf dem 2005 Heard Museum Guild Indian
Fair & Market zeigen. Er kann auch über sein Studio in Flagstaff,
Arizona unter der Nummer 928 / 734-5248 oder online unter
www.kabotie.com erreicht werden.
Fotos: Seite 31
Links: „Werte im Wandel“, Copyright 2003, 1,52 m x 3,66 m (2 Panele),
Acryl auf Leinwand; oben: Details des Eototo, der Feuerpriester, aus
„Heiliger Vulkanausbruch“, Copyright 2004, 0,91 m x 1,52 m, Acryl auf
Leinwand, zu sehen am Sunset Crater National Monument in Nord Arizona.
   <> Mateo
Romero ist ein Multi-Talent. Er ist ein begabter Maler, Schriftsteller,
Lehrer und Museumskurator, der eine wichtige Stimme in der
zeitgenössischen Kunstwelt der Indianer geworden ist. Er spricht mit
scharfer Intelligenz und liebt es Witze zu reißen. Im jugendlichen
Alter von 38 hat er natürlich eine Verbindung zur jüngeren Generation,
zugleich ist er aber ein respektabler und international anerkannter
Künstler.
Wie auch Michael Kabotie, kommt Romero aus einer Pueblo-Kultur und
teilt dessen Sorge um moderne indianische Gemeinden. Beide Künstler
wurden in Familien hineingeboren, in denen eine starke künstlerische
Tradition vorherrscht. Romeros Vater, Santiago Romero, studierte im
Rahmen von Programmen des Dorothy Dunn-Studio an der Indianerschule
Santa Fe und stellte seine Bilder innerhalb der wichtigen American
Indian Exposition and Congress von 1937 aus. Mateos Großmutter
väterlicherseits, Teresita Chavez Romero, war eine respektable
Töpferin, die für ihre riesigen Vorratsgefäße und ihre Sitzfiguren
bekannt war und sie war außerdem eine der Inspirationsquellen für Helen
Corderos geliebte Geschichtenerzähler-Tonfiguren. Auch Mateos älterer
Bruder, Diego Romero ist ein begnadeter und preisgekrönter Künstler,
der vor allem für seinen Mimbres-Stil und seine zeitgenössische
Töpferarbeiten bekannt ist.
Obwohl Mateo heute in San Juan Pueblo nördlich von Santa Fe lebt, wurde
er in Berkeley, Kalifornien geboren, wo er auch aufwuchs. Er studierte
an der Kunstakademie San Francisco und machte seinen Bachelor of Fine
Arts am Dartmouth College. Er führte seine Kunstausbildung am Institut
der Indianischen Künste in Santa Fe fort, bevor er dann schließlich an
der Universität New Mexiko seinen Master of Fine Arts machte.
Mateo und Diego bekamen von ihrer Cousine Mary Eunice Romero, einer
Pädagogikprofessorin der Staatlichen Universität von Arizona, den
Spitznamen „die Chongo Brüder“. Chongo bezeichnet wörtlich den
Haarknoten der traditionellen Pueblo Männer, aber das Wort bedeutet
auch soviel wie „spaßige Verspieltheit“. Der Begriff charakterisiert
somit eine Seite ihrer Persönlichkeiten: einen wunderbaren Sinn für
Humor.
Im Herbst 2004 traf ich Romero im Museum für indianischen Kunst und
Kultur in Santa Fe. Ich war etwas früher da und so konnte ich mir die
beliebte neue Ausstellung Rez3 anschauen: Rezervation Rezurrection
Reztitution, mit den Kunstwerken von Romero und seines guten Freundes,
der Salish-Bildhauer Ed Archie Noisecat. Ich
sprach gerade mit dem Museumsdirektor Duane Anderson als Romero mit
einem freundlichen Lächeln und seinem jüngsten Sohn, Rain Romero, der
auf seinen Schultern wippte, dazukam. Wir setzten uns an einen großen
Tisch in der Buchsbaum Galerie für Töpferarbeiten des Südwestens, und
als erstes erinnerte Romero voller Stolz an seine Großeltern und
rekonstruierte dabei seinen Stammbaum. Er erzählte uns, dass sein
Großvater Mitglied der Zeremonialgesellschaft der Koshare Clowns war
und dann zeigte er mir einige der Töpferarbeiten seiner Großmutter, die
sich unter den großen Ollas (Gefäße) in der Vitrine befinden. Da Romero
auch gelegentlich als Lehrer arbeitete, erinnert er sich: „Als ich an
einem Wandmalerei-Projekt mit Cochiti- Jugendlichen arbeitete, brachten
wir die Kinder während einer Exkursion hier ins Museum. Viele von ihnen
erkannten plötzlich, dass sie mit der Frau, die die Gefäße in dem Raum
herstellte, verwandt sind.“ Die Kunst verbindet die Pueblo-Leute mit
ihren Familien, und ihre Familien verbinden sie mit der Kunst.
Romero dämpft seine Stimme als er seinen traditionellen Keres-Namen
verrät, He-tse-tewa, was soviel bedeutet wie „Kriegsschild“. Diese
Schilde sind aus der Haut der Bison, die einst das nahegelegene
Galisteo-Flachland besiedelten, und werden von den Pueblo-Männern noch
immer während spezieller zeremonieller Tänze getragen. Man sagt die
alten Pueblo-Schilde beschützen ihre Erschaffer mit einem unsichtbaren
Kraftfeld aus spiritueller Energie – eine passende Parallele zu Romeros
Beziehung zur Kunst.
Der
Künstler unterteilt seine Werke (gemischte Medien) in zwei Hauptthemen:
soziale Landschaften und Tänzer. Die sozialen Landschaften sind in vier
wesentliche Unterkategorien eingeteilt: “Stimmen von Wounded Knee“,
„Bonnie & Clyde“, „Indianisches Glücksspiel“ und „Abhängigkeiten“.
Er spricht voller Stolz darüber wie eines seiner Bilder aus der
“Stimmen von Wounded Knee“-Serie länger als 10 Jahre auf dem Flughafen
Denver ausgestellt war. Seine „Bonnie & Clyde“ Charaktere tragen
Ketten aus Kürbisblüten und Concha-Gürtel. Eines seiner „Indianisches
Glücksspiel“-Bilder stellt einen Spielautomaten mit drei
Pueblo-Sonnengesichtern in einer Reihe dar. „Einige Spielveranstalter
malten tatsächlich Sonnengesichter auf die Drehscheiben der
Spielautomaten, bis Angehörige der Pueblo forderten, dass diese wieder
verschwinden“, sagt er. „Abhängigkeiten“ sind ein dominierendes Thema
in vielen von Romeros Bildern gewesen. Wie auch Kabotie, erkennt Romero
wichtige zeitgenössische Themen, die mit Sucht zusammenhängen: Alkohol,
Drogen, häusliche Gewalt und auch das Glücksspiel.
Die „Tänzer“ repräsentieren Romeros zweit wichtigstes Thema. Sie zeigen
zeremonielle Figuren, die aus der Dunkelheit durch den dichten Nebel
hervorkommen und im goldenen Sonnenlicht baden. Die Meister der
italienischen Renaissance nannten diese dramatischen Effekte aus Licht
und Dunkelheit „chiaroscuro“ und „sfumato“. Diese Neuheit wurde damals
von Leonardo da Vinci eingeführt und die Techniken wurden während des
Barock-Zeitalters von Rembrandt und Vermeer weiterentwickelt. Romero
erzielt diesen dramatischen Effekt dadurch, dass er mit Asphalt malt,
einem äußert ungewöhnlichem künstlerischen Medium, was veranschaulicht
wie der junge, von seinem Mut angetriebene Mann seiner Kunst folgen
muss, wohin sie ihn auch führt.
Mateo Romero wird seine Werke auf dem 2005 Heard Museum Guild Indian
Fair & Market zeigen. Er wird von der Blue Rain Gallerie von Santa
Fe und Taos repräsentiert. Seine Kunst ist auch unter
www.towa-artists.com zu bewundern.
Fotos: Seite 33
„San Juan Series B“, Copyright 2004, 56 cm x 76 cm, gemischte Medien;
oben: „Die Büffel-Frau Nr. 2“, Copyright 2004, 0,91 m x 1,32 m,
gemischte Medien“, rechte: „Morgendämmerung 1“, Copyright 2004, 1,02 m
x 1,52 m, gemischte Medien.
   Norma
Howard hatte nie den Wunsch in die Großstadt zu ziehen. Sie hat ihren
Platz als Künstlerin in Stigler, Oklahoma gefunden, 42 Meilen
südöstlich von Muskogee. Und sie hat sich bemerkenswerterweise nur ein
paar Mal in ihrem Leben mehr als drei Meilen weit weg von ihrem zu
Hause gewagt. „Ich kann hinter mein Haus schauen, und sehen wo ich
geboren wurde und wo unsere Verwandten begraben sind. Ich kann meine
Heimat nicht verlassen“, sagt sie.
Bei dem Stellenwert, den die Familie in ihrem Leben hat, ist es nicht
verwunderlich, dass ihre akribischen Wasserfarbenbilder überwiegend
Szenen ihrer Heimat, ihrer Familie und der historischen Lebensweisen
ihres Volkes darstellen. „Meine Familie hat für das was sie hat hart
gearbeitet“, erklärt sie. „Und ein Mensch wird danach beurteilt, wie er
seine Not überwindet. Es ist wichtig daran zu denken, sich um seine
Familie zu kümmern. Meine Mutter und mein Vater haben mir gezeigt, dass
sie mich lieben – dadurch, dass sie zu Hause bei der Familie waren. Ich
bin auch jeden Tag zu Hause und zeige so die Liebe zu meiner Familie.“
Howard hat als kleines Kind einfach drauflosgemalt, als ihr
Vater ihr eine Schachtel mit Buntstiften kaufte. „Ich wusste als Kind
nicht was indianische Kunst ist“, sagt sie. „Ich habe angefangen auf
Papiertüten zu malen. Ich habe einfach das gemalt, was ich um mich
herum gesehen habe – die Sonne, Hügel, Blumen, Wasser und Häuser.“ Sie
verbrachte auch Zeit mit ihrer Großmutter, Lena Gibson Morris, die
Ipokni genannt wurde, einer Choctaw-Korbflechterin, die Körbe aus
Schilf herstellt. 1903 ging Großmutter Ipokni 500 Meilen von
Mississippi nach Oklahoma, um das Stück Land zu besiedeln, auf dem
Howard geboren wurde und aufwuchs. Die Künstlerin spricht liebevoll von
den Korbflechtarbeiten ihrer Großmutter. „Ihre Lieblingsmuster waren
Rauten, für die „diamondback“-Klapperschlangen. Klapperschlangen sind
ruhig, wenn man sie nicht stört, aber sie verteidigen sich sobald sie
sich bedroht fühlen.“ Die Körbe von Ipokni waren eine Inspiration für
Howard, die später mit „Pinselstrichen der Korbflechterei“ malte und so
einen einzigartigen Stil kreierte. Auch
ihr verstorbener Chickasaw Vater, James Williams, hat die Kreativität
seiner Tochter gefördert. „Mein Vater war der Meinung, dass alles was
ich anfasste magisch war. Er liebte alles Schöne. Er strich Häuser an
und ich durfte ihm helfen, die Fensterrahmen anzumalen. Er lehrte mich
an der Holzmaserung entlang zu malen. Als ich meine Puppenhäuser
anmalte, gab er mir Ratschläge: ‚Gib’ dein Bestes, was auch immer du
tust.’“ Der Rat des Vaters verhalf Howard und ihren sieben Geschwistern
zum Erfolg. Noch mehr wurde sie von ihrer Mutter, Edith Morris,
inspiriert, sie erzählte ihr alte Choctaw-Geschichten, die ihr wiederum
von ihrer Mutter weitergegeben wurden. Beide, sie und Ipokni waren
hervorragende Näherinnen und machten auch Quilt-Decken. „Unsere Mutter
nähte alle unsere Kleider“, erinnert sich Howard. „Sie nähte meine
Kleider auf einer alten Pedalnähmaschine.“
Im
Alter von 21 verdiente Howard selbst ihren Lebensunterhalt mit Nähen –
sie nähte Cowboy-Hemden in einer Textilfabrik. „Man sagt sogar, dass
Hank Williams, Jr. früher unsere Hemden trug.“ 1994 wurde die Fabrik
geschlossen und zog nach Mexiko um. Ich war arbeitslos. Ich war
verletzt. Ich war verloren.“ Kurz darauf hatte sie einen Traum und
wachte mitten in der Nacht auf. „Ich hörte wie mein Vater sagte ‚Du
musst malen!’. Mein Mann David sagte, dass das eine gute Idee sei. Ich
dachte vielleicht könnte ich so etwas zu Essen auf den Tisch bringen.
Ich begann damit kleine indianische Kinder zu malen.“
Sie verkaufte ein paar Bilder und malte standfest ein Jahr lang. „1995
hatte ich 34 Bilder gemalt und beschloss sie auf dem kommenden „Red
Earth-(Rote-Erde-)Festival“ zu zeigen. Mein Mann erzählte das allen
weiter und so kam ich auf die Titelseite der Zeitung. Das war mir so
peinlich. Ich war besorgt; was wenn ich nach Hause kommen würde ohne
auch nur ein einziges Bild verkauft zu haben? Auf dem Weg zum Festival
hatten wir eine Autopanne. Ich sagte zu meinem Mann, ‚Lass’ uns einfach
wieder nach Hause fahren. Es sollte nicht sein.’ Mein Mann antwortete,
‚Jetzt sind wir schon bis hierher gekommen - wir fahren da hin!’. Wir
schafften es eines meiner Bilder für den Wettbewerb zu qualifizieren.
Auf der Preisverleihung, riefen sie den dritten Preis aus, dann den
zweiten, und schließlich gaben sie den Gewinner des ersten Preises
bekannt und riefen meinen Namen aus! Ich brach in Tränen aus. Ich
verkaufte alle meiner 34 Bilder. An diesem Abend aßen wir Steaks im
Golden Corral.“
1997 stellte Howard ihre
Bilder erstmals auf dem Indianischen Markt in Santa Fe aus und gewann
eine kleinere Auszeichnung, aber vier Jahre später gewann sie dort sie
den „Best of Paintings“ Preis. Sie erhielt auch im ersten Jahr eine
Auszeichnung als sie auf dem Heard Museum Indian Fair & Market von
1999 in Phoenix ausstellte, und sie freut sich schon darauf in diesem
Jahr wieder hinzugehen. Ihre Arbeiten verkaufen sich gut, Sammler sind
verrückt danach und Museumsausstellungen können nicht mehr weit
entfernt sein.
Dennoch, Howard hat ihre bescheidenen Wurzeln nicht vergessen. Sie gibt
folgenden Rat an junge indianische Künstler: „Malt und zeichnet was ihr
wollt, aber vergesst dabei niemals eure Familien. Vergesst nicht die
Weise, wie eure Vorfahren lebten, und vergesst nicht eure Tänze, Lieder
und Geschichten. Aber solltet ihr sie doch vergessen, dann erinnert
euch wenigstens daran, dass ihr immer noch Indianer seid, egal was
kommt! Das Malen ist meine Seele. Der schüchterne Teil in mir sieht die
Schönheit im Herzen. Ich drücke mich über meine Hände aus. Ich wünschte
nur, dass meine Eltern noch lebten und erleben könnten wie ich es in
der Welt der Kunst zu etwas gebracht habe.“
Norma Howard wird ihre Arbeiten auf dem 2005 Heard Museum Guild Indian
Fair & Market zeigen. Sie ist in ihrem Studio/Zuhause in Stigler,
Oklahoma, unter der Nummer 918/967-4314 zu erreichen. Außerdem führt
die Blue Rain Galerie in Santa Fe und Taos ihre Arbeiten.
Fotos: Seiten 34, 35
Link: „Das Herstellen von Quilt-Decken“, Copyright 2003, 41 cm x 51 cm,
Wasserfarben; oben: „Morgennebel“, Copyright 2002, 56 cm x 66 cm,
gerahmt, Wasserfarben; oben: „Das Sammeln von Holz“, Copyright 2004, 30
cm x 41 cm, Wasserfarben.

  Mario
Martinez ist ein bedeutender zeitgenössisch visueller Künstler, der in
beiden Stilrichtungen, abstrakt und bildlich malt, und das in Öl,
Acryl, verschiedenen Drucken und Zeichenmedien sowie muli-medial und
multi-disziplinär. Er wurde in Phoenix, Arizona geboren und machte
seinen Bachelor of Fine Arts an der Staatliche Universität von
Arizona.1980 machte er dann seinen Master of Fine Arts am
Kunst-Institut San Francisco. Er stellte seine Werke mehrmals in der
Galerie für zeitgenössische indianische Kunst sowie an anderen
Schauplätzen in der San Francisco Bay Area aus.
Martinez glaubt, dass es für abstrakte Maler wichtig ist, zunächst
die Techniken der bildlichen und gegenständlichen Kunst zu beherrschen.
Als er 1999 von der Stadt Scottsdale beauftragt wurde, ein Bild zu
schaffen, in dessen Fokus sein Yaqui-Erbe stehen sollte, entschied er
sich dafür einen traditionellen Yaqui-Hirsch-Tänzer zum Hauptthema
seines Bildes zu machen.
„Ich wollte, mein Volk etwas über sich selbst sehen lassen“, erklärt er.
Außerdem findet er auch, dass abstrakte Kunst die perfekte Möglichkeit
ist, um andere Szenen und Gefühle, die ihm am Herzen liegen,
auszudrücken. „Der Grund warum ich ein abstrakter Maler wurde liegt
darin, dass viel unseres zeremoniellen Lebens in Arizona nicht
fotografiert, gemalt oder gezeichnet werden soll“, wie er sagt. „Die
Zeremonien sind heilig, deshalb kann man sie nicht zum Objekt machen
oder Objekte verkaufen, die mit speziellen Zeremonien zu tun haben. Ich
habe immer gewusst, dass man das nicht tun darf und so...war es das
Natürlichste in die abstrakte Kunst zu gehen. Die Herausforderung dabei
war, etwas auszusuchen das etwas über dich und deine Kultur aussagt,
ohne gleichzeitig einen Vertrauensbruch zu begehen und nicht das zu
tun, was du den Älteren versprochen hattest, nicht zu tun.“
Er
hat viele Inspirationsquellen, aber „die Naturgewalten“, verrät uns der
Künstler „sind der innere Geist meiner Bilder.“ Seine bekanntesten
Themen stellen Abstraktionen der Natur dar. „Ich weiß wo meine Symbole
herkommen - aus der Natur, aber sie macht nur die eine Hälfte aus. Die
andere Hälfte entsteht aus der Art und Weise wie der Verstand und die
Hände des Malers sie visuell umsetzt.“
Kurz nach dem Jahr 2000 zog er nach New York City und tauchte dort in
die internationale Kunstwelt ein. „In den ersten eineinhalb Jahren sah
ich mehr großartige Kunst – von der Renaissance bis zum Postmodernismus
– als jemals zuvor in meinem Leben“, sagt er. „Ich erfuhr die
erstaunliche Intensität, wie sie von den Altmeistern und den besten
modernen und zeitgenössischen Künstlern dargestellt wird. Ich malte in
beiden Stilrichtungen – bildlich und abstrakt – und arbeitete mich
allmählich bis zu großen Leinwänden vor (2,13 m auf 3,66 m).“
Der Umzug nach New York City bedeutete eine wesentliche Veränderung für
den Künstler. Aber heute ist er über diese Veränderung glücklich. „New
York City hat, wie das Leben auch, zwei Seiten. Es fordert so viel,
aber es kann dir dafür auch so viel geben. Mein Leben als
zeitgenössischer visueller Künstler in New York war voller Bildung, und
das war wirklich etwas wert! Ich mag meine Arbeit mehr als jemals
zuvor, und ich wachse.“
2002 wurde Martinez vom
Nationalen Indianermuseum, einer Abteilung der Smithsonian Institution,
zum Gast-Künstler ausgewählt. Es war Teil seines Stipendiums, eine
Auswahl seiner Bilder online vorzustellen (www.conexus.si.edu). Aktuell
werden seine Werke bei einer Serie von Ausstellungen im George Gustav
Heye Center in New York City mit dem Titel New Tribe: New York, dabei
sein. Die Serie wird Rückblicke von drei Künstlern, die sich inmitten
ihrer Karriere befinden, und einer indianischen Theatergruppe
beinhalten. Die Serie beginnt mit Martinez’ Ausstellung am 29. Januar
und seine Arbeit wird bis zum 8. Mai zu sehen sein.
Auch das Heard Museum in Phoenix hat ein besonderes Interesse an
Martinez und hat ihn beauftragt ein 6,70 Meter großes Werk aus
fünf-Panelen mit gemischten Medien zu kreieren, das im Freien hängen
wird. Inhaltlich erforscht es des Künstlers Interpretation der
Yaqui-Erfahrungen des vergangenen Jahrhunderts in Arizona. Es wird im
Mai während der großen Eröffnung der neuen Heard Signatur-Ausstellung,
Home: Native Peoples in the Southwest (Heimat: Indianer des Südwestens)
enthüllt werden. Das Rockwell Museum of Western Art in Corning, New
York gehört auch zu denen, die seinen großen Stellenwert in der
zeitgenössischen Kunst erkannt haben indem es eines seiner Bilder in
seine Kollektion aufgenommen hat.
Mario Martinez kann über seinen Agenten Scott Andrews unter der Nummer
602 / 327-3786 oder über mariomartinez1@juno.com erreicht werden.
Fotos: Seite 37
Links: „First Mesquitescape (Erstes Mesquite-Cape)“, copyright 2001,
1,83 x 1,83 m, Acryl auf Leinwand; oben: “Celestial Home (Himmlische
Heimat)”, copyright 2001, 1,78 m x 1,73 m, Acryl auf Leinwand.
 Gregory
Schaaf, Ph.D. (Cherokee) ist der Autor von “The American Indian Art
Series”, mit biografischen Portraits von fast 10.000 indianischen
Künstlern. Er erwarb seinen Doktor in indianischer Geschichte und
machte einen separaten Abschluss in Kunstgeschichte an der Universität
Kalifornien in Santa Barbara gemacht. Nach einer herausragenden
Karriere als Universitätsprofessor für indianische Studien , ist er nun
Direktor des Zentrums für indigene Kunst & Kulturen in Santa
Fe, New Mexiko. |