Das Aufblühen der ursprünglichen Hawaiischen Kunst
Von Lynn Cook

Übersetzung: Alexandra Galindez Ortega, Waiblingen
Es gab kein Alphabet, keine Schrift, kein Metall für Werkzeuge, kein
Ton für Töpferarbeiten und auch keine Räder. Und dennoch reisten diese
prähistorischen Inselbewohner des Pazifiks über große Ozeane, bildeten
eine komplexe Gesellschaftsstruktur und hinterließen ein kulturelles
Erbe, welches noch heute auf den Inseln Hawaiis floriert.
Archäologische Funde deuten darauf hin, dass die Hawaiischen Inseln
bereits um 500 nach Christus dicht besiedelt waren, aber die ersten
Siedler dürften schon einige Jahrhunderte zuvor angekommen sein. Holz,
Stein, Knochen, Pflanzenfasern sowie Federn waren die hauptsächlichen
Materialen der Kunsthandwerker. Frühe westliche Entdecker fanden
heraus, dass die hawaiische Kunsttradition eng mit der hawaiischen
Religion aus alter Zeit zusammenhängt. Tänze, Musik und Kunst waren
dazu da, die Elemente, die Götter und die menschlichen Fähigkeiten zu
zelebrieren.
Heute führen die maka’ainana, die Kunsthandwerker, das kreative
Erbe ihrer Vorfahren fort. Diese reisten von den legendären Havaiki -
Inseln, die in keinem Ozean verankert sind und Heimat allen Wissens -
weit über die Meere,. Schließen Sie sich uns nun an, wenn wir einige
der alten Künste und Handwerksarbeiten entdecken, wie sie heute von
Nachfahren hawaiischer Ureinwohnern angefertigt werden.
DER HULA – HAWAIIS HERZSCHLAG

Der altertümliche 200 Jahre alter Gesang ’Ulei Pahu ist eine
Prophezeiung, welche von einem Kauai Priester gemacht wurde. Er sah die
Ankunft von Kapitän James Cook im Jahre 1778 voraus und auch die damit
zusammenhängenden einschneidenden Veränderungen für das Leben der
Hawaiianer. Er wird unter anderem von einer der traditionellsten kumu
hula (Lehrer) gesungen, ihr Name ist Mapuana de Silva. Dazu tanzen ihre
mit Farnenblättern sowie mit Kränzen aus ti- und maile-Blättern
geschmückten Tänzer auf einer moderne Bühne, um eine Geschichte aus
früher Zeit zu erzählen. Sie und ihr Ehemann Kihei haben ihr Leben der
Erhaltung des traditionellen Hula gewidmet. Über ihre hula halau
(Schule) Halau Mohala ’Ilima in Kaneohe auf Oahu sind sie die Wächter
des Feuers, und führen so einen Hula-Stammbaum fort, der vor einer
langen Zeit, noch vor dem Kontakt mit der westlichen Welt,
weitergegeben wurde.
„Wenn wir unseren Hula vorführen“, erklärt Mapu, „basiert dieser
auf dem was wir durch Kihei’s intensive Recherchen und meiner
Hula-Ausbildung wissen.“ Mapu führt die die Tradition des verstorbenen
Hulameisters Maiki Aiu Lake fort. Während ihrer 28 Jahre als Lehrerin
hat sie den Hula mit vielen hundert haumana (Schülern) geteilt.
Einige ihrer Schüler fangen im Alter von vier Jahren mit dem
Tanzen an. „Wir teilen mehr als nur den Hula mit“, sagt sie. „Unsere
Tänzer lernen die hawaiische Sprache, hawaiische Werte sowie auch die
Freude, die das Anfertigen eigener Feder-Leis und Hula-Accessoires
macht, die sie dann beim Tanzen benutzen.“
Mapu und ihr Mann, Lehrer für hawaiische Sprache und Ausbilder, sind
eine treibende und beständige Kraft in dem über 20 Jahre geführten
Kampf um die kulturelle Erhaltung, die sich Hawaiische Renaissance
nennt. Der Hula, die hawaiische Sprache und viele der alten Kunststile
kamen dem Aussterben bedrohlich nahe. Die bekannte hawaiische
Geschäftsfrau Maile Meyer, Besitzerin des Na Mea Hawaii – Bücherladens
in Honolulu - sagt, „Die Hingabe der Hawaiianer, wie die die de Silvas,
die sich unserer Kultur zu hundert Prozent verpflichtet fühlen, hat uns
davor bewahrt, ein gefährdetes Volk zu sein. Es sind Arbeiter,
Menschen, die nicht nur die Leitung übernehmen, sondern auch die Ärmel
hochkrempeln und sich ins Zeug legen, wenn es um harte Arbeit geht.“
Hula Halau gibt es viele auf allen Hawaiiinseln und sie florieren
geradezu. Jedes Jahr im Frühling lockt das Merrie Monarch Hula Festival
Tausende von „Hulaholics“ für die einwöchigen Tanzwettbewerbe nach Hilo
auf der großen Insel von Hawaii. Einst geheim gehalten und verboten,
kann das Beste des Hula nun jedes Jahr genossen werden.
Fotos p. 26 and p. 27:
Hula ist eine lebendige Tradition, die mit der Zeit wächst und sich verändert.
Seite 26: Kane ( männliche) Tänzer führen die altmodische Variante des
Hula kahiko auf der Kaonoulu Ranch auf Maui auf. Seite 27: Die moderne
Variante des Hula auauna – entstanden nach dem Kontakt mit dem Westen –
vorgeführt von wahine (weiblichen) Tänzerinnen, hier Sarah Bridges,
Mitglied im Promotion Team des Polynesischen Kulturzentrums, das in der
Welt umherreist, um die vielen Kulturen Polynesiens vorzustellen.
DER LEI – MIT LIEBE GEFLOCHTEN

Der Künstler Robert Elwes besuchte die Hawaiischen Inseln im Jahre 1849
und schrieb, dass hawaiische Frauen „große Freude an Blumen haben und
Kränze auf den Köpfen tragen...und das auf die schönste Weise.“
Kunstkuratorin Deborah Dunn schrieb einmal, „Der Lei wird am Körper
getragen, aber im Herzen gefühlt und er verweilt in der Erinnerung.“
Neben der Begrüßung mit Leis für Touristen, ist das Tragen der
Blüten-Leis eine lebende Tradition. „Das Überreichen eines Lei“, so
sagt der bekannte Hersteller von Blumen-Leis Bill Char, „kann
’Herzlichen Glückwunsch’, ’Danke’ oder einfach ’wie geht es dir mein
Freund und einen schönen Tag noch’, bedeuten. Der Mai-Tag wird auf den
Hawaii-Inseln als Tag des Lei gefeiert. Jeder ist dann mit Blüten-Leis
geschmückt, vom Bankdirektor bis zum Busfahrer. Hotels bieten
kostenlose Kurse im Lei-Flechten an, es gibt Wettbewerbe im
Lei-Flechten, Lei-Königinnen werden gekrönt und Lei-geschmückte
Hula-Tänzer treten in Parks, Einkaufszentren und Schulen auf.
Historischen Quellen zufolge, die bis 1778 zurückgehen,
beschreiben den lei po’o (Kopf-Lei) und den lei a’i (er wird um den
Hals getragen) als Schmuck, der aus Blumen, Samen, Elfenbein, Muscheln
und Federn gemacht wird. Der ali’i nui, regierende Könige, trugen
Federhelme und zeremonielle Umhänge, die aus Tausenden von Federbüschel
gemacht waren und auf ein netzartiges Grundmaterial geknüpft wurden.
Viele der Vögel wurden durch eingeführte Tiere, wie den Mungo,
ausgelöscht, aber die prächtigen Umhänge können in den Sammlungen des
Bishop Museums und des ’Iolani Palastes besichtigt werden.
Auf der winzigen Privatinsel Ni’ihau gibt es schon seit hunderten von
Jahren die Tradition, kleine Muscheln, pu’pu o Ni’ihau, in Leis von
atemberaubender Schönheit zu nähen. Diese Muscheln gibt es nur auf
dieser Insel. Leis, die ausschließlich von Bewohnern Ni’ihaus gemacht
sind, können einige hundert bis einige tausend Dollar kosten und
übersteigen im Ansehen sogar den Wert von Perlen. Na Mea Hawaii, im
Ward Kaufhau in Honolulu, führt diese authentischen Muscheln und den
entsprechenden Schmuck.

Die traditionelle Federkunst kann auch heute noch im einladenden
Honolulu Federgeschäft von Aunty Mary Louise Kekuewa bewundert werden.
Na Lima Mili Hulu No’eau (geschickte Hände berühren die Federn) ist ein
kleines, dicht gefülltes Warengeschäft und zugleich Ausstellungsraum
für diese lebendigen Schätze Hawaiis. Über 30 Jahre hat Aunty Mary Lou
mit Unterstützung ihrer Tochter, Paulette Kahalepuna, Anfängern,
Hula-Tänzern, Touristen und Freunden alles über den Lei beigebracht.
Die Leute fliegen von anderen Hawaiischen Inseln ein, um dringend
benötigte Artikel einzukaufen und um noch einige Feinheiten von Aunty
zu lernen. „In der Vergangenheit“, wie sie erklärt, „ wurden die Federn
von einheimischen Vögeln während der Mauserzeit eingesammelt.“ Die
Vogelfänger haben sogar ihre Arme mit dem klebrigen Saft des
Brotfruchtbaums bedeckt, dann lockten sie den Vogel mit Futter an,
fingen ihn ein und hielten ihn solange fest bis sie ein paar Federn
ausrupfen konnten ohne den Vogel dabei zu verletzten. Traurig fügt sie
hinzu, „Heute gibt es das nicht mehr.“ Natürliche und gefärbte Federn
werden nun importiert, aber die alten Methoden des Federkunstwerks
werden beibehalten.
Aunty (auf den Inseln ein Ausdrucks des Respekts) hat eine Wand voller
Ehrungen und Preise vorzuweisen und auch ein Foto einer Robe, die aus
dreißigtausend weißen Federn besteht und selbst Hollywood beschämen
würde. Es dauerte 13 Jahre bis sie ihren ersten traditionellen
Federumhang fertig stellte. Das Meisterwerk steht im Schaufenster des
Geschäftes und ist nach ihrer Mutter, Ahu’ula O Mailelani benannt.
Sechs Tage in der Woche sind ihre geschickten Hände im Einsatz um Leis
anzufertigen und dann verbringt noch Stunden damit jungen Hula-Tänzern
dabei zu helfen, ihre ersten Feder-Leis für Auftritte anzufertigen.
„Danach sind sie aber auf sich selbst gestellt. Schaut rein, wenn ich
eure Arbeiten überprüfen soll, das ist es was ich Ihnen sage“, erzählt
sie mit einem Lächeln.
Fotos Seite 28/29
Oben, von links nach rechts: Kapalai de Silva und Lisa Okinaga sind
Schülerinnen an der Mapuana de Silva’s hula halau (Schule) Halau Mohala
’Ilima, in Kaneohe auf Oahu. Seite gegenüber: Leis können aus einer
Vielzahl von Objekten gemacht werden, etwa aus Blumen, Federn, Samen
oder auch Muscheln.
DIE UKULELE – DER HÜPFENDE FLOH

Das Klimpern der Ukulelesaiten ruft sofort die Vision von, sich im Wind
wiegenden Palmen, von lieblichen Hula-Mädchen, einem langen weißen
Sandstand und türkis-blauen Ozean hervor. Hawaii ist der einzige
US-Staat der seine eigene Musik, Sprache und Tänze hat. Es waren jedoch
vor allem die frühen Rhythmen, die grundlegend waren. So sagt auch
Hawaiis „Botschafter des Aloha“, der Alleinunterhalter Don Ho jeden
Abend zu den vielen Besuchern des Waikiki Showrooms, „An alle unsere
Missionars-Nachkommen, ’Danke’. Ohne eure Kirchenlieder und
Musikinstrumente, würden wir alle immer noch zu Trommelschlägen tanzen
und singen.“
Obwohl die Missionare schon im frühen 18. Jahrhundert ankamen und die
Schrift und neue Formen der Musik mitbrachten, kam die Ukulele (der
hüpfende Floh) erst 1879, mit der Ankunft des portugiesischen
Meisterhandwerkers Manuel Nunes ins Leben der Hawaiianer. Der Name
rührt von der Geschwindigkeit her, mit der sich die Finger über die
Saiten bewegen. Im frühen 20. Jahrhundert wurde dann ein junger Schüler
namens Samuel Kamaka von Nunes ausgebildet. Heute führt sein Enkel, Sam
Junior, das Kamaka Erbe fort und stellt hochwertige Instrumente her,
die von Musikern weltweit geschätzt werden.
Hawaiis ungewöhnlichster Meister der Ukulele ist wahrscheinlich Eddie
Kamae aus Honolulu. Der Sänger und Komponist Keith Haugen sagt über
ihn, „Es mag Musiker geben, die schneller spielen können als Eddie (so
der junge Jake Shimabukuro oder einer von Roy Sakuma’s Ukulele
Schülern), aber niemand spielt mit so viel Seele und niemand kann das
Hawaii-Feeling besser vermitteln als Eddie.“ Als junger Mann in den
Vierzigern entwickelte Kamae etwas Neues und spielte die Ukulele im
jazzigen Stil, das den Status der Ukulele für immer verändert hat.
Kamae sagt, „1949 war ich auf der Straße im eisig- kalten Colorado. Ich
habe damals kein Geld verdient, ich war unglücklich und ich fror
erbärmlich. Deshalb ging ich heim nach Hawaii und nie wieder zurück auf
die Straße.“ Trotz der Tatsache, dass man nach Hawaii kommen musste, um
ihn und seine legendere Band, die Söhne Hawaiis, spielen zu hören,
erreichte Kamae den Status eines Volkshelden.
Das Reisen von Insel zu Insel auf der Suche nach alten Liedern führte
Kamae zu seiner neuen Karriere als international bekannter Macher von
Dokumentarfilmen. Durch sein hawaiisches und Cherokee-Erbe hat er
Ehrfurcht vor den kupuna, den Älteren, und der Erkenntnis, dass ihre
Weisheit für die nächste Generation verewigt werden muss. Im Alter von
77 kann er nun Dutzende von Filmpreisen, einen Bests
eller und sogar noch fünf neue Filme, die in Arbeit sind, vorweisen.
„Das was ich tue, nährt die Seele“, sagt Kamae. „Humor. Es soll leicht
und lustig sein.“
HOLZSCHNITZEREIN – DAS EHREN DER ALTEN GENERATIONEN
Frühe ki’i (Schnitzereien), die den ’aumakua, den Beschützer der
Familie darstellen, mag von einigen als „Stammeskunst“ oder als
„primitiv“ angesehen werden, aber in den Augen eines jeden, der mit
polynesischen Skulpturen vertraut ist, ist hawaiische Holzschnitzerei
in ihrer Form und Funktion lyrisch. Die jungen Schnitzer von heute, wie
Rocky Jensen und Alani Apio, benutzen sowohl modernes Werkzeug als auch
altes, wie das ko’i (das Breitbeil), das aus dichtem Basalt gemacht
ist. Sie lassen sich von den alten Schnitzern inspirieren, aber mit
ihren modernen Darstellungen von akua (große Götter) wie etwa Ku, Kane
oder Lono und Kanaloa gehen sie dennoch in Richtung Zukunft.

Die Tradition des Holzschnitzens in Hawaii wurde von der Arbeit eines
Mannes gesegnet – dem verstorbenen Wright Bowman, Senior – er schaute
in einen soliden Baumstamm und erkannte dabei wie das Kanu darauf
wartete, ausgehöhlt zu werden. Er konnte mit dem o’o (Grabstock)
umgehen wie die alten Hawaiianer es taten. Er kannte auch das Geheimnis
des Reparierens von Rissen in den wertvollen Koa Kalebassen-Schalen.
Seine Kanupaddel schneiden sich mit Kraft und Grazie durch die Wellen.
Bowman wurde 1907 in Hilo geboren und schaute den Kanu-Handwerkern
schon als Kind zu. Er nahm sich der Arbeit mit dem Holz während der
Wirtschaftskrise an und verbrachte später 22 Jahre damit, Generationen
von talentierten Kunstschülern an der Kamehameha Schule auf den
Abhängen hoch über Honolulu zu unterrichten. In seinem zentralen
Holzgeschäft entstanden dabei museumsreife Koa-Schätze.
Sein Erbe, welches auf der ganzen Welt bekannt ist, ist die
Polynesische Kanu-Reise Gesellschaft, Hokule’a. Was 1973 als
wissenschaftliches Experiment begann, um ein Replik eines
traditionellen Kanus für Seereisen zu bauen, das für einen einmaligen
Segeltörn nach Tahiti gedacht war, wurde der Katalysator für kulturelle
Erneuerung und zu einer Reise von 100 000 Meilen, um die Menschen des
Pazifiks miteinander zu verbinden.
Ka’ili Chun absolvierte in den 90ern ihren Magister der Kunst an
der Universität von Hawaii. Sie fragte Bowman, ob er ihr beibringen
würde, wie man hawaiianische Speere macht. Der formlose Kurs
entwickelte sich zu einer besonderen Freundschaft und einer förmlichen
Ausbildung, gefördert von der Staatlichen Stiftung für Kultur und dem
Kunstprogramm für Volkskunst. Inzwischen lehrt Chun an der Universität
von Hawaii und gibt die Bowman-Methode an ihre Studenten weiter. Sie
beschreibt ihr Geschenk des Wissens mit folgenden Worten, „In der
westlichen Welt glaubt man ein Recht auf Bildung zu haben. Aber hier in
Hawaii fühle ich, dass ich dieses Recht nicht habe. Ich muss es mir
verdienen und habe gegenüber den Älteren und meiner Familie die
Verantwortung mein Bestes zu geben.“ David Behlke, Direktor der Koa
Galerie auf Honolulu sagt über Bowman, „Er hat einen Standard von
Kunstfertigkeit etabliert zusammen mit einem Inhalt, der ein Vorreiter
für ganze Generationen ist.“
Vorführungen hawaiischer Schnitzkunst können im herausragenden Bernice
Pauahi Bishop Museum und im Na Mea Hawaii im Ward Kaufhaus besichtigt
werden. Sie befinden sich beide in Honolulu und gehören zum
Polynesischen Kulturzentrum an der Nordküste von Oahu. Des weiteren
können sie bei der Veranstaltung der Pazifischen
Handwerkergesellschaft, die vierteljährlich im Thomas Square Park, nahe
des Stadtzentrums von Honolulu stattfindet, bewundert werden.

Fotos Seite 30/31:
Links: Eine Kupuna (Ältere) lehrt ein Keiki (Kind) die Ukulele zu
spielen; oben: Meister-Schnitzer Rocky Jensen; unten: Fachmänner führen
die Tradition des Anfertigens von Auslegerkanus fort.
TATTOOS – SCHMUCK FÜR DEN KÖRPER
Historischen Berichten zufolge, hatten Hawaiianer weniger Tattoos als
andere Völker des Pazifik und dass obwohl beide, Männer wie Frauen, in
künstlerischen Darstellungen früher Seereisender, mit kakau (Tattoos)
dargestellt sind. Mit der aktuellen Beliebtheit kultureller Tattoos,
hat sich dieser Trend jedoch rapide verändert.
Keone Nunes aus Oahu ist wohl einer der berühmtesten Tätowierer, der
noch die alten Tattoo-Traditionen auf Hawaii ausübt. Für Nunes hängt
die Verantwortung der Tätowierers mit der Verantwortung zusammen, die
derjenige hat, der sich tätowieren lässt. Er sieht das Tätowieren nicht
einfach nur ein „Jux“. Bevor er das Motiv skizziert, redet er mit den
Leuten und versucht sich ein Bild von ihrem Charakter zu machen und
herauszufinden warum sie eine dauerhafte Verpflichtung gegenüber ihres
Glaubens eingehen wollen. Nunes meint, „Den Stammbaum der eigenen
Familie zu kennen ist ein wichtiger Bestandteil der Gleichung. Wenn
meine Kunden nicht wissen, welche Motive eine Verbindung zu ihrer
Herkunft haben, dann schicke ich sie wieder nach Hause und sage ihnen
sie sollen Recherchen betreiben. Als Tätowierer liegt es in meiner
Verantwortung sicher zu gehen, dass alles was ich vorschlage auch zu
den Leuten, die zu mir kommen passt.“
Er ist der Meinung, dass es für junge Menschen wichtig ist, besonders
für junge Hawaiianer, in einem Tattoo mehr als nur eine Modeerscheinung
zu sehen. „ Ich möchte, dass sie sich Gedanken darüber machen, wie das
Tattoo mit ihrer Kultur zusammenhängt, oder der Kultur die jene
angenommen haben, die Hawaii zu ihrer Heimat machten.“ Er regt sie dazu
an, in sich zu gehen und darüber nachzudenken wie sich das Tattoo
langfristig auf ihr Leben, ihre Familie und ihre Ziele auswirken wird.
Er verwendet traditionelle Methoden um die Tattoos zu stechen,
messerscharfe „Nadeln“, die an einem Stift befestigt sind. Das Motiv
wird auf die Haut gezeichnet, dann beginnt das Anstechen. Zuerst wird
das gesamte Motiv gestochen und anschließend wird langsam an den
komplexen Mustern gearbeitet. Die Tinte kann traditioneller Ruß von
verbrannten Kukui Nüssen sein, der mit dem Saft von Rohrzucker oder
Kokosnussmilch vermischt wird, oder auch aus moderner Tattoo-Farbe sein.
P.F. „Ski“ Kwiatkowski, Autor von Das Hawaiische Tattoo und
eigenhändig tätowiert, hat sich seine ’aumakua, Eule, aufs Bein
tätowieren lassen, weil ihm der Vogel einmal vor einem Autounfall
bewahrt hat. Die hawaiische Malerin und Herstellerin von Drucken, Kandi
Everett aus Honolulu ist eine weitere begehrter Hautkünstlerin. Sie
lernte ihr Handwerk in den Tagen, als Seeleute häufig Tattoo-Studios in
Honolulus Chinatown besuchten. Ihre Motive reichen von Hula-Mädchen bis
zur traditionellsten pazifischen Tattoo-Kunst . Sie beschreibt jene
alten Tage als „schnelle“ Kunst, im Gegensatz zur heutigen, die „echt“
sei. Ihre Arbeiten können auf verschiedenen Fotografien und Drucken in
mehreren Kunstmusen in Honolulu besichtigt werden.
Die Schriftstellerin und Fotografin Lynn Cook (hhlynncook@aol.com)
befasst sich mit kulturellem Tourismus und Reiseberichten und lebt
schon seit mehr als 30 Jahren in Honolulu. In ihren Beiträgen berichtet
sie über Hawaii, den Westen der USA, Kanada und den Pazifik. Zusätzlich
zu ihrer Arbeit als Schriftstellerin, recherchiert und fotografiert sie
alte Steinkunst in Form von Petroglyphen rund um den Pazifik. Als
Herstellerin von Drucken macht sie aus den Ergebnissen dieser Arbeit
Kunst in Form von handgemachten Papierbögen.
Sehenswertes
Die Kunst des Kapa - Stoff aus Baumrinde, aus dem weichen Inneren des
Maulbeerbaumes, zerstoßen ist sie so dünn und fest wie Seidenfasern -
besteht heute in der Arbeit von einigen Kunstgelehrten weiter, die
diese alten Methoden weiter recherchieren und neu-kreieren.
Ulana, die Handwerkerin, webt Lauhala (lau bedeutet Blatt, hala ist der
Pandanusbaum) für Kleidung und Überdachungen. Kanu-Schnitzer und
Handwerker machen auch weiterhin ’aha, geflochtene Kokosnussfasern, die
als Seile für Kanus verwendet werden. Kahuna la’au lapa’au, der Heiler,
besitzt und teilt noch immer das Wissen von heilenden Pflanzen und
medizinischen Elixieren. Die Worte, die von einem kahuna oder Priester
ausgesprochen werden, besitzen heilige mana oder Kraft. Das alles kann
im Bishop Museum sowie in anderen historischen Museen rund um Hawaii
besichtigt und erlebt werden. Hier deshalb einige Anregungen zu Orten,
die einen Besuch Wert sind, um diese Künste und Arbeiten
kennenzulernen, wie sie oben beschrieben wurden. Des weiteren gibt es
noch mehr traditionelle und ursprüngliche hawaiische Kunst, die auch
heute weiterhin den einzigartigen Charme des hawaiischen Lebensgefühls
und die Kultur der Inseln versprüht.
OAHU
Bernice Pauahi Bishop Museum, www.bishopmuseum.org
Honolulu Kunstakademie, www.honoluluacademy.org
Staatliches Kunstmuseum von Hawaii, www.state.hi.us/sfca
’Iolani Palace, www.iolanipalace.org
Polynesisches Kulturzentrum, www.polynesia.com
Mission Houses Museum, www.hawaiiweb.com/oahu/sites_to_see/mission_house_museum.htm
Queen Emma Summer Palace, www.daughtersofthawaii.org
Washington Place, www.hawaii.gov/gov/office/washington.html
BIG ISLAND
Hulihe’e Palace, Kona, www.huliheepalace.org
Vulkanisches Kunstzentrum, Nationalpark der Vulkane in Hawaii, www.volcanoartcenter.org
Lyman House Memorial Museum, Hilo, www.lymanmuseum.org
Pu’uhonua o Honaunau Historischer Nationalpark, Kona, www.nps.gov/puho
KAUAI
Historische Gesellschaft Kaua’I, Lihu’e, www.kauaihistoricalsociety.org
Historisches Naturkundemuseum Koke’e, Kekaha, www.kokee.org
MAUI
Bailey House Museum, Wailuku, www.mauimuseum.org
Naturzentrum Hawaii, ‘Iao Valley, www.hawaiinatirecenter.org
Hui No’eau Visual Arts Center, Makawao, www.huinoeau.com
Maui Kunst- und Kulturzentrum, Kahalui, www.mauiarts.org
VERANSTALTUNGEN

Die Tage des Makahiki (Erntefest) waren traditionellerweise eine Zeit
des Friedens und der Heilung. Die Sitte findet sich heute in dem
Aloha-Festival wieder. Von Mitte September an wird die Kultur der
Inseln für sechs Wochen lang mit 300 Veranstaltungen auf sechs Inseln,
über den ganzen Staat verteilt, gefeiert. Hier noch mehr Events, die
über das Jahr verteilt stattfinden und die man nicht verpassen sollte:
Halau Mohala ’Ilima Merrie Monarch Concerts – Mitte März, Hawaii Theater, Honolulu
Merrie Monarch Hula Festival – März oder April, Hilo, Big Island
Celebrations of Art – Oster-Wochenende, Im Ritz-Carlton Kapalua, Maui
Das Brothers Cazimero May Day Concert – 1. Mai, Waikiki Shell, Oahu
Kamehameha Day Hula Festival – Juni, Oahu
Prinz Lot Hula Festival – Juli, Oahu
Roy Sakuma Ukulele Festival – August, Oahu
Hawaiianisches Slack Key Guitar Festival – August, Oahu
Masters of Slack Key Guitar – Im Ritz-Carlton Kapalua, wöchentlich, Maui
Details: www.gohawaii.com
AUF DER HAUPTINSEL
Vier der Top-Namen in der zeitgenössischen ursprünglichen hawaiischen
Musik – Willie K., Amy Hanaialii Gilliom, Sean Naauao und Robi
Kahakalau – präsentieren der Welt in der Aloha Live Show diesen Sommer
die moderne Musik Hawaiis. Die beiden erstgenannten Künstler waren im
Januar für den ersten Musik Grammy Award für ursprüngliche hawaiische
Musik nominiert. Die Tour beginnt am 29. Juli in Vancouver und geht
durch 13 Städte der Westküste. Sie endet am 15. August in Sacramento.
Ende August wird die Tour mit Shows in sieben zusätzlichen Orten an der
Ostküste fortgesetzt. Genaueres unter: www.worldsound.com