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Maka’ainana Renaissance
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By Site Editor
Published on 03/1/2005
 
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 Es gab kein Alphabet, keine Schrift, kein Metall für Werkzeuge, kein Ton für Töpferarbeiten und auch keine Räder. Und dennoch reisten diese prähistorischen Inselbewohner des Pazifiks über große Ozeane, bildeten eine komplexe Gesellschaftsstruktur und hinterließen ein kulturelles Erbe, welches noch heute auf den Inseln Hawaiis floriert.

Maka’ainana Renaissance
Das Aufblühen der ursprünglichen Hawaiischen Kunst
Von Lynn Cook

Übersetzung: Alexandra Galindez Ortega, Waiblingen

Es gab kein Alphabet, keine Schrift, kein Metall für Werkzeuge, kein Ton für Töpferarbeiten und auch keine Räder. Und dennoch reisten diese prähistorischen Inselbewohner des Pazifiks über große Ozeane, bildeten eine komplexe Gesellschaftsstruktur und hinterließen ein kulturelles Erbe, welches noch heute auf den Inseln Hawaiis floriert.
Archäologische Funde deuten darauf hin, dass die Hawaiischen Inseln bereits um 500 nach Christus dicht besiedelt waren, aber die ersten Siedler dürften schon einige Jahrhunderte zuvor angekommen sein. Holz, Stein, Knochen, Pflanzenfasern sowie Federn waren die hauptsächlichen Materialen der Kunsthandwerker. Frühe westliche Entdecker fanden heraus, dass die hawaiische Kunsttradition eng mit der hawaiischen Religion aus alter Zeit zusammenhängt. Tänze, Musik und Kunst waren dazu da, die Elemente, die Götter und die menschlichen Fähigkeiten zu zelebrieren.
 Heute führen die maka’ainana, die Kunsthandwerker, das kreative Erbe ihrer Vorfahren fort. Diese reisten von den legendären Havaiki - Inseln, die in keinem Ozean verankert sind und Heimat allen Wissens - weit über die Meere,. Schließen Sie sich uns nun an, wenn wir einige der alten Künste und Handwerksarbeiten entdecken, wie sie heute von Nachfahren hawaiischer Ureinwohnern angefertigt werden.

DER HULA – HAWAIIS HERZSCHLAG
Der altertümliche 200 Jahre alter Gesang ’Ulei Pahu ist eine Prophezeiung, welche von einem Kauai Priester gemacht wurde. Er sah die Ankunft von Kapitän James Cook im Jahre 1778 voraus und auch die damit zusammenhängenden einschneidenden Veränderungen für das Leben der Hawaiianer. Er wird unter anderem von einer der traditionellsten kumu hula (Lehrer) gesungen, ihr Name ist Mapuana de Silva. Dazu tanzen ihre mit Farnenblättern sowie mit Kränzen aus ti- und maile-Blättern geschmückten Tänzer auf einer moderne Bühne, um eine Geschichte aus früher Zeit zu erzählen. Sie und ihr Ehemann Kihei haben ihr Leben der Erhaltung des traditionellen Hula gewidmet. Über ihre hula halau (Schule) Halau Mohala ’Ilima in Kaneohe auf Oahu sind sie die Wächter des Feuers, und führen so einen Hula-Stammbaum fort, der vor einer langen Zeit, noch vor dem Kontakt mit der westlichen Welt, weitergegeben wurde.
 „Wenn wir unseren Hula vorführen“, erklärt Mapu, „basiert dieser auf dem was wir durch Kihei’s intensive Recherchen und meiner Hula-Ausbildung wissen.“ Mapu führt die die Tradition des verstorbenen Hulameisters Maiki Aiu Lake fort. Während ihrer 28 Jahre als Lehrerin hat sie den Hula mit vielen hundert haumana (Schülern) geteilt.
 Einige ihrer Schüler fangen im Alter von vier Jahren mit dem Tanzen an. „Wir teilen mehr als nur den Hula mit“, sagt sie. „Unsere Tänzer lernen die hawaiische Sprache, hawaiische Werte sowie auch die Freude, die das Anfertigen eigener Feder-Leis und Hula-Accessoires macht, die sie dann beim Tanzen benutzen.“
Mapu und ihr Mann, Lehrer für hawaiische Sprache und Ausbilder, sind eine treibende und beständige Kraft in dem über 20 Jahre geführten Kampf um die kulturelle Erhaltung, die sich Hawaiische Renaissance nennt. Der Hula, die hawaiische Sprache und viele der alten Kunststile kamen dem Aussterben bedrohlich nahe. Die bekannte hawaiische Geschäftsfrau Maile Meyer, Besitzerin des Na Mea Hawaii – Bücherladens in Honolulu - sagt, „Die Hingabe der Hawaiianer, wie die die de Silvas, die sich unserer Kultur zu hundert Prozent verpflichtet fühlen, hat uns davor bewahrt, ein gefährdetes Volk zu sein. Es sind Arbeiter, Menschen, die nicht nur die Leitung übernehmen, sondern auch die Ärmel hochkrempeln und sich ins Zeug legen, wenn es um harte Arbeit geht.“ Hula Halau gibt es viele auf allen Hawaiiinseln und sie florieren geradezu. Jedes Jahr im Frühling lockt das Merrie Monarch Hula Festival Tausende von „Hulaholics“ für die einwöchigen Tanzwettbewerbe nach Hilo auf der großen Insel von Hawaii. Einst geheim gehalten und verboten, kann das Beste des Hula nun jedes Jahr genossen werden.


Fotos p. 26 and p. 27:
Hula ist eine lebendige Tradition, die mit der Zeit wächst und sich verändert.
Seite 26: Kane ( männliche) Tänzer führen die altmodische Variante des Hula kahiko auf der Kaonoulu Ranch auf Maui auf. Seite 27: Die moderne Variante des Hula auauna – entstanden nach dem Kontakt mit dem Westen – vorgeführt von wahine (weiblichen) Tänzerinnen, hier Sarah Bridges, Mitglied im Promotion Team des Polynesischen Kulturzentrums, das in der Welt umherreist, um die vielen Kulturen Polynesiens vorzustellen.

DER LEI – MIT LIEBE GEFLOCHTEN
Der Künstler Robert Elwes besuchte die Hawaiischen Inseln im Jahre 1849 und schrieb, dass hawaiische Frauen „große Freude an Blumen haben und Kränze auf den Köpfen tragen...und das auf die schönste Weise.“ Kunstkuratorin Deborah Dunn schrieb einmal, „Der Lei wird am Körper getragen, aber im Herzen gefühlt und er verweilt in der Erinnerung.“ Neben der Begrüßung mit Leis für Touristen, ist das Tragen der Blüten-Leis eine lebende Tradition. „Das Überreichen eines Lei“, so sagt der bekannte Hersteller von Blumen-Leis Bill Char, „kann ’Herzlichen Glückwunsch’, ’Danke’ oder einfach ’wie geht es dir mein Freund und einen schönen Tag noch’, bedeuten. Der Mai-Tag wird auf den Hawaii-Inseln als Tag des Lei gefeiert. Jeder ist dann mit Blüten-Leis geschmückt, vom Bankdirektor bis zum Busfahrer. Hotels bieten kostenlose Kurse im Lei-Flechten an, es gibt Wettbewerbe im Lei-Flechten, Lei-Königinnen werden gekrönt und Lei-geschmückte Hula-Tänzer treten in Parks, Einkaufszentren und Schulen auf.
 Historischen Quellen zufolge, die bis 1778 zurückgehen, beschreiben den lei po’o (Kopf-Lei) und den lei a’i (er wird um den Hals getragen) als Schmuck, der aus Blumen, Samen, Elfenbein, Muscheln und Federn gemacht wird. Der ali’i nui, regierende Könige, trugen Federhelme und zeremonielle Umhänge, die aus Tausenden von Federbüschel gemacht waren und auf ein netzartiges Grundmaterial geknüpft wurden. Viele der Vögel wurden durch eingeführte Tiere, wie den Mungo, ausgelöscht, aber die prächtigen Umhänge können in den Sammlungen des Bishop Museums und des ’Iolani Palastes besichtigt werden.
Auf der winzigen Privatinsel Ni’ihau gibt es schon seit hunderten von Jahren die Tradition, kleine Muscheln, pu’pu o Ni’ihau, in Leis von atemberaubender Schönheit zu nähen. Diese Muscheln gibt es nur auf dieser Insel. Leis, die ausschließlich von Bewohnern Ni’ihaus gemacht sind, können einige hundert bis einige tausend Dollar kosten und übersteigen im Ansehen sogar den Wert von Perlen. Na Mea Hawaii, im Ward Kaufhau in Honolulu, führt diese authentischen Muscheln und den entsprechenden Schmuck.
Die traditionelle Federkunst kann auch heute noch im einladenden Honolulu Federgeschäft von Aunty Mary Louise Kekuewa bewundert werden. Na Lima Mili Hulu No’eau (geschickte Hände berühren die Federn) ist ein kleines, dicht gefülltes Warengeschäft und zugleich Ausstellungsraum für diese lebendigen Schätze Hawaiis. Über 30 Jahre hat Aunty Mary Lou mit Unterstützung ihrer Tochter, Paulette Kahalepuna, Anfängern, Hula-Tänzern, Touristen und Freunden alles über den Lei beigebracht. Die Leute fliegen von anderen Hawaiischen Inseln ein, um dringend benötigte Artikel einzukaufen und um noch einige Feinheiten von Aunty zu lernen. „In der Vergangenheit“, wie sie erklärt, „ wurden die Federn von einheimischen Vögeln während der Mauserzeit eingesammelt.“ Die Vogelfänger haben sogar ihre Arme mit dem klebrigen Saft des Brotfruchtbaums bedeckt, dann lockten sie den Vogel mit Futter an, fingen ihn ein und hielten ihn solange fest bis sie ein paar Federn ausrupfen konnten ohne den Vogel dabei zu verletzten. Traurig fügt sie hinzu, „Heute gibt es das nicht mehr.“ Natürliche und gefärbte Federn werden nun importiert, aber die alten Methoden des Federkunstwerks werden beibehalten.
Aunty (auf den Inseln ein Ausdrucks des Respekts) hat eine Wand voller Ehrungen und Preise vorzuweisen und auch ein Foto einer Robe, die aus dreißigtausend weißen Federn besteht und selbst Hollywood beschämen würde. Es dauerte 13 Jahre bis sie ihren ersten traditionellen Federumhang fertig stellte. Das Meisterwerk steht im Schaufenster des Geschäftes und ist nach ihrer Mutter, Ahu’ula O Mailelani benannt. Sechs Tage in der Woche sind ihre geschickten Hände im Einsatz um Leis anzufertigen und dann verbringt noch Stunden damit jungen Hula-Tänzern dabei zu helfen, ihre ersten Feder-Leis für Auftritte anzufertigen. „Danach sind sie aber auf sich selbst gestellt. Schaut rein, wenn ich eure Arbeiten überprüfen soll, das ist es was ich Ihnen sage“, erzählt sie mit einem Lächeln.

Fotos Seite 28/29
Oben, von links nach rechts: Kapalai de Silva und Lisa Okinaga sind Schülerinnen an der Mapuana de Silva’s hula halau (Schule) Halau Mohala ’Ilima, in Kaneohe auf Oahu. Seite gegenüber: Leis können aus einer Vielzahl von Objekten gemacht werden, etwa aus Blumen, Federn, Samen oder auch Muscheln.

DIE UKULELE – DER HÜPFENDE FLOH
Das Klimpern der Ukulelesaiten ruft sofort die Vision von, sich im Wind wiegenden Palmen, von lieblichen Hula-Mädchen, einem langen weißen Sandstand und türkis-blauen Ozean hervor. Hawaii ist der einzige US-Staat der seine eigene Musik, Sprache und Tänze hat. Es waren jedoch vor allem die frühen Rhythmen, die grundlegend waren. So sagt auch Hawaiis „Botschafter des Aloha“, der Alleinunterhalter Don Ho jeden Abend zu den vielen Besuchern des Waikiki Showrooms, „An alle unsere Missionars-Nachkommen, ’Danke’. Ohne eure Kirchenlieder und Musikinstrumente, würden wir alle immer noch zu Trommelschlägen tanzen und singen.“
Obwohl die Missionare schon im frühen 18. Jahrhundert ankamen und die Schrift und neue Formen der Musik mitbrachten, kam die Ukulele (der hüpfende Floh) erst 1879, mit der Ankunft des portugiesischen Meisterhandwerkers Manuel Nunes ins Leben der Hawaiianer. Der Name rührt von der Geschwindigkeit her, mit der sich die Finger über die Saiten bewegen. Im frühen 20. Jahrhundert wurde dann ein junger Schüler namens Samuel Kamaka von Nunes ausgebildet. Heute führt sein Enkel, Sam Junior, das Kamaka Erbe fort und stellt hochwertige Instrumente her, die von Musikern weltweit geschätzt werden.
Hawaiis ungewöhnlichster Meister der Ukulele ist wahrscheinlich Eddie Kamae aus Honolulu. Der Sänger und Komponist Keith Haugen sagt über ihn, „Es mag Musiker geben, die schneller spielen können als Eddie (so der junge Jake Shimabukuro oder einer von Roy Sakuma’s Ukulele Schülern), aber niemand spielt mit so viel Seele und niemand kann das Hawaii-Feeling besser vermitteln als Eddie.“ Als junger Mann in den Vierzigern entwickelte Kamae etwas Neues und spielte die Ukulele im jazzigen Stil, das den Status der Ukulele für immer verändert hat. Kamae sagt, „1949 war ich auf der Straße im eisig- kalten Colorado. Ich habe damals kein Geld verdient, ich war unglücklich und ich fror erbärmlich. Deshalb ging ich heim nach Hawaii und nie wieder zurück auf die Straße.“ Trotz der Tatsache, dass man nach Hawaii kommen musste, um ihn und seine legendere Band, die Söhne Hawaiis, spielen zu hören, erreichte Kamae den Status eines Volkshelden.
Das Reisen von Insel zu Insel auf der Suche nach alten Liedern führte Kamae zu seiner neuen Karriere als international bekannter Macher von Dokumentarfilmen. Durch sein hawaiisches und Cherokee-Erbe hat er Ehrfurcht vor den kupuna, den Älteren, und der Erkenntnis, dass ihre Weisheit für die nächste Generation verewigt werden muss. Im Alter von 77 kann er nun Dutzende von Filmpreisen, einen Bests
eller und sogar noch fünf neue Filme, die in Arbeit sind, vorweisen. „Das was ich tue, nährt die Seele“, sagt Kamae. „Humor. Es soll leicht und lustig sein.“

HOLZSCHNITZEREIN – DAS EHREN DER ALTEN GENERATIONEN
Frühe ki’i (Schnitzereien), die den ’aumakua, den Beschützer der Familie darstellen, mag von einigen als „Stammeskunst“ oder als „primitiv“ angesehen werden, aber in den Augen eines jeden, der mit polynesischen Skulpturen vertraut ist, ist hawaiische Holzschnitzerei in ihrer Form und Funktion lyrisch. Die jungen Schnitzer von heute, wie Rocky Jensen und Alani Apio, benutzen sowohl modernes Werkzeug als auch altes, wie das ko’i (das Breitbeil), das aus dichtem Basalt gemacht ist. Sie lassen sich von den alten Schnitzern inspirieren, aber mit ihren modernen Darstellungen von akua (große Götter) wie etwa Ku, Kane oder Lono und Kanaloa gehen sie dennoch in Richtung Zukunft.
Die Tradition des Holzschnitzens in Hawaii wurde von der Arbeit eines Mannes gesegnet – dem verstorbenen Wright Bowman, Senior – er schaute in einen soliden Baumstamm und erkannte dabei wie das Kanu darauf wartete, ausgehöhlt zu werden. Er konnte mit dem o’o (Grabstock) umgehen wie die alten Hawaiianer es taten. Er kannte auch das Geheimnis des Reparierens von Rissen in den wertvollen Koa Kalebassen-Schalen. Seine Kanupaddel schneiden sich mit Kraft und Grazie durch die Wellen. Bowman wurde 1907 in Hilo geboren und schaute den Kanu-Handwerkern schon als Kind zu. Er nahm sich der Arbeit mit dem Holz während der Wirtschaftskrise an und verbrachte später 22 Jahre damit, Generationen von talentierten Kunstschülern an der Kamehameha Schule auf den Abhängen hoch über Honolulu zu unterrichten. In seinem zentralen Holzgeschäft entstanden dabei museumsreife Koa-Schätze.
Sein Erbe, welches auf der ganzen Welt bekannt ist, ist die Polynesische Kanu-Reise Gesellschaft, Hokule’a. Was 1973 als wissenschaftliches Experiment begann, um ein Replik eines traditionellen Kanus für Seereisen zu bauen, das für einen einmaligen Segeltörn nach Tahiti gedacht war, wurde der Katalysator für kulturelle Erneuerung und zu einer Reise von 100 000 Meilen, um die Menschen des Pazifiks miteinander zu verbinden.
 Ka’ili Chun absolvierte in den 90ern ihren Magister der Kunst an der Universität von Hawaii. Sie fragte Bowman, ob er ihr beibringen würde, wie man hawaiianische Speere macht. Der formlose Kurs entwickelte sich zu einer besonderen Freundschaft und einer förmlichen Ausbildung, gefördert von der Staatlichen Stiftung für Kultur und dem Kunstprogramm für Volkskunst. Inzwischen lehrt Chun an der Universität von Hawaii und gibt die Bowman-Methode an ihre Studenten weiter. Sie beschreibt ihr Geschenk des Wissens mit folgenden Worten, „In der westlichen Welt glaubt man ein Recht auf Bildung zu haben. Aber hier in Hawaii fühle ich, dass ich dieses Recht nicht habe. Ich muss es mir verdienen und habe gegenüber den Älteren und meiner Familie die Verantwortung mein Bestes zu geben.“ David Behlke, Direktor der Koa Galerie auf Honolulu sagt über Bowman, „Er hat einen Standard von Kunstfertigkeit etabliert zusammen mit einem Inhalt, der ein Vorreiter für ganze Generationen ist.“
Vorführungen hawaiischer Schnitzkunst können im herausragenden Bernice Pauahi Bishop Museum und im Na Mea Hawaii im Ward Kaufhaus besichtigt werden. Sie befinden sich beide in Honolulu und gehören zum Polynesischen Kulturzentrum an der Nordküste von Oahu. Des weiteren können sie bei der Veranstaltung der Pazifischen Handwerkergesellschaft, die vierteljährlich im Thomas Square Park, nahe des Stadtzentrums von Honolulu stattfindet, bewundert werden.

Fotos Seite 30/31:
Links: Eine Kupuna (Ältere) lehrt ein Keiki (Kind) die Ukulele zu spielen; oben: Meister-Schnitzer Rocky Jensen; unten: Fachmänner führen die Tradition des Anfertigens von Auslegerkanus fort.

TATTOOS – SCHMUCK FÜR DEN KÖRPER
Historischen Berichten zufolge, hatten Hawaiianer weniger Tattoos als andere Völker des Pazifik und dass obwohl beide, Männer wie Frauen, in künstlerischen Darstellungen früher Seereisender, mit kakau (Tattoos) dargestellt sind. Mit der aktuellen Beliebtheit kultureller Tattoos, hat sich dieser Trend jedoch rapide verändert.
Keone Nunes aus Oahu ist wohl einer der berühmtesten Tätowierer, der noch die alten Tattoo-Traditionen auf Hawaii ausübt. Für Nunes hängt die Verantwortung der Tätowierers mit der Verantwortung zusammen, die derjenige hat, der sich tätowieren lässt. Er sieht das Tätowieren nicht einfach nur ein „Jux“. Bevor er das Motiv skizziert, redet er mit den Leuten und versucht sich ein Bild von ihrem Charakter zu machen und herauszufinden warum sie eine dauerhafte Verpflichtung gegenüber ihres Glaubens eingehen wollen. Nunes meint, „Den Stammbaum der eigenen Familie zu kennen ist ein wichtiger Bestandteil der Gleichung. Wenn meine Kunden nicht wissen, welche Motive eine Verbindung zu ihrer Herkunft haben, dann schicke ich sie wieder nach Hause und sage ihnen sie sollen Recherchen betreiben. Als Tätowierer liegt es in meiner Verantwortung sicher zu gehen, dass alles was ich vorschlage auch zu den Leuten, die zu mir kommen passt.“
Er ist der Meinung, dass es für junge Menschen wichtig ist, besonders für junge Hawaiianer, in einem Tattoo mehr als nur eine Modeerscheinung zu sehen. „ Ich möchte, dass sie sich Gedanken darüber machen, wie das Tattoo mit ihrer Kultur zusammenhängt, oder der Kultur die jene angenommen haben, die Hawaii zu ihrer Heimat machten.“ Er regt sie dazu an, in sich zu gehen und darüber nachzudenken wie sich das Tattoo langfristig auf ihr Leben, ihre Familie und ihre Ziele auswirken wird.
Er verwendet traditionelle Methoden um die Tattoos zu stechen, messerscharfe „Nadeln“, die an einem Stift befestigt sind. Das Motiv wird auf die Haut gezeichnet, dann beginnt das Anstechen. Zuerst wird das gesamte Motiv gestochen und anschließend wird langsam an den komplexen Mustern gearbeitet. Die Tinte kann traditioneller Ruß von verbrannten Kukui Nüssen sein, der mit dem Saft von Rohrzucker oder Kokosnussmilch vermischt wird, oder auch aus moderner Tattoo-Farbe sein.
 P.F. „Ski“ Kwiatkowski, Autor von Das Hawaiische Tattoo und eigenhändig tätowiert, hat sich seine ’aumakua, Eule, aufs Bein tätowieren lassen, weil ihm der Vogel einmal vor einem Autounfall bewahrt hat. Die hawaiische Malerin und Herstellerin von Drucken, Kandi Everett aus Honolulu ist eine weitere begehrter Hautkünstlerin. Sie lernte ihr Handwerk in den Tagen, als Seeleute häufig Tattoo-Studios in Honolulus Chinatown besuchten. Ihre Motive reichen von Hula-Mädchen bis zur traditionellsten pazifischen Tattoo-Kunst . Sie beschreibt jene alten Tage als „schnelle“ Kunst, im Gegensatz zur heutigen, die „echt“ sei. Ihre Arbeiten können auf verschiedenen Fotografien und Drucken in mehreren Kunstmusen in Honolulu besichtigt werden.
Die Schriftstellerin und Fotografin Lynn Cook (hhlynncook@aol.com) befasst sich mit kulturellem Tourismus und Reiseberichten und lebt schon seit mehr als 30 Jahren in Honolulu. In ihren Beiträgen berichtet sie über Hawaii, den Westen der USA, Kanada und den Pazifik. Zusätzlich zu ihrer Arbeit als Schriftstellerin, recherchiert und fotografiert sie alte Steinkunst in Form von Petroglyphen rund um den Pazifik. Als Herstellerin von Drucken macht sie aus den Ergebnissen dieser Arbeit Kunst in Form von handgemachten Papierbögen.




Sehenswertes
Die Kunst des Kapa - Stoff aus Baumrinde, aus dem weichen Inneren des Maulbeerbaumes, zerstoßen ist sie so dünn und fest wie Seidenfasern - besteht heute in der Arbeit von einigen Kunstgelehrten weiter, die diese alten Methoden weiter recherchieren und neu-kreieren.
Ulana, die Handwerkerin, webt Lauhala (lau bedeutet Blatt, hala ist der Pandanusbaum) für Kleidung und Überdachungen. Kanu-Schnitzer und Handwerker machen auch weiterhin ’aha, geflochtene Kokosnussfasern, die als Seile für Kanus verwendet werden. Kahuna la’au lapa’au, der Heiler, besitzt und teilt noch immer das Wissen von heilenden Pflanzen und medizinischen Elixieren. Die Worte, die von einem kahuna oder Priester ausgesprochen werden, besitzen heilige mana oder Kraft. Das alles kann im Bishop Museum sowie in anderen historischen Museen rund um Hawaii besichtigt und erlebt werden. Hier deshalb einige Anregungen zu Orten, die einen Besuch Wert sind, um diese Künste und Arbeiten kennenzulernen, wie sie oben beschrieben wurden. Des weiteren gibt es noch mehr traditionelle und ursprüngliche hawaiische Kunst, die auch heute weiterhin den einzigartigen Charme des hawaiischen Lebensgefühls und die Kultur der Inseln versprüht.

OAHU
Bernice Pauahi Bishop Museum, www.bishopmuseum.org
Honolulu Kunstakademie, www.honoluluacademy.org
Staatliches Kunstmuseum von Hawaii, www.state.hi.us/sfca
’Iolani Palace, www.iolanipalace.org
Polynesisches Kulturzentrum, www.polynesia.com
Mission Houses Museum, www.hawaiiweb.com/oahu/sites_to_see/mission_house_museum.htm
Queen Emma Summer Palace, www.daughtersofthawaii.org
Washington Place, www.hawaii.gov/gov/office/washington.html

BIG ISLAND
Hulihe’e Palace, Kona, www.huliheepalace.org
Vulkanisches Kunstzentrum, Nationalpark der Vulkane in Hawaii, www.volcanoartcenter.org
Lyman House Memorial Museum, Hilo, www.lymanmuseum.org
Pu’uhonua o Honaunau Historischer Nationalpark, Kona, www.nps.gov/puho

KAUAI
Historische Gesellschaft Kaua’I, Lihu’e, www.kauaihistoricalsociety.org
Historisches Naturkundemuseum Koke’e, Kekaha, www.kokee.org


MAUI
Bailey House Museum, Wailuku, www.mauimuseum.org
Naturzentrum Hawaii, ‘Iao Valley, www.hawaiinatirecenter.org
Hui No’eau Visual Arts Center, Makawao, www.huinoeau.com
Maui Kunst- und Kulturzentrum, Kahalui, www.mauiarts.org


VERANSTALTUNGEN
Die Tage des Makahiki (Erntefest) waren traditionellerweise eine Zeit des Friedens und der Heilung. Die Sitte findet sich heute in dem Aloha-Festival wieder. Von Mitte September an wird die Kultur der Inseln für sechs Wochen lang mit 300 Veranstaltungen auf sechs Inseln, über den ganzen Staat verteilt, gefeiert. Hier noch mehr Events, die über das Jahr verteilt stattfinden und die man nicht verpassen sollte:
Halau Mohala ’Ilima Merrie Monarch Concerts – Mitte März, Hawaii Theater, Honolulu
Merrie Monarch Hula Festival – März oder April, Hilo, Big Island
Celebrations of Art – Oster-Wochenende, Im Ritz-Carlton Kapalua, Maui
Das Brothers Cazimero May Day Concert – 1. Mai, Waikiki Shell, Oahu
Kamehameha Day Hula Festival – Juni, Oahu
Prinz Lot Hula Festival – Juli, Oahu
Roy Sakuma Ukulele Festival – August, Oahu
Hawaiianisches Slack Key Guitar Festival – August, Oahu
Masters of Slack Key Guitar – Im Ritz-Carlton Kapalua, wöchentlich, Maui
Details: www.gohawaii.com

AUF DER HAUPTINSEL
Vier der Top-Namen in der zeitgenössischen ursprünglichen hawaiischen Musik – Willie K., Amy Hanaialii Gilliom, Sean Naauao und Robi Kahakalau – präsentieren der Welt in der Aloha Live Show diesen Sommer die moderne Musik Hawaiis. Die beiden erstgenannten Künstler waren im Januar für den ersten Musik Grammy Award für ursprüngliche hawaiische Musik nominiert. Die Tour beginnt am 29. Juli in Vancouver und geht durch 13 Städte der Westküste. Sie endet am 15. August in Sacramento. Ende August wird die Tour mit Shows in sieben zusätzlichen Orten an der Ostküste fortgesetzt. Genaueres unter: www.worldsound.com