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2007 Mai/Juni Heilige Erde
By Site Editor | Published  12/10/2007 | German/Deutsch | Unrated
2007 Mai/Juni Heilige Erde
Heilige Erde
Landschaften mit lebendigem Geist


Oben und seitenübergreifend: Der Wakarusa-Sumpf (Haskell-Baker). Das Army Corps of Engineers plant eine Autobahn durch dieses Land in der Nähe von Lawrence, Kansas, zu bauen. Das Sumpfgebiet wird zum Teil deswegen als heiliger Boden angesehen, da es in der Nähe eines Internats liegt, das in den 1880er Jahren gebaut wurde. Indianische Kinder wurden ihren Familien und ihren Gemeinden entrissen und gezwungen diese Schule zu besuchen. Die Kinder benutzten das Sumpfland für ihre Zeremonien und um die Toten zu begraben. „Der Bau der Autobahn wird die ökologischen, wissenschaftlichen, historischen, kulturellen und religiösen Quellen des Sumpfes unwiederbringlich zerstören,“ sagt Jackie Mitchell (Prärie-Verbund Potawatomi Nation). Fotos: Kyle Gerstner.


Von Jake Page

Leitartikel in Native Peoples, Mai/Juni 2007
übersetzt von Alexandra Galindez Ortega, Waiblingen

Eines Sommers vor einer langen Zeit, saßen meine Frau Susanne und ich auf dem Gipfel eines gewöhnlich wirkenden Vulkankegels, der sich einige hundert Meter über dem flachen Land um die Stadt Woodruff herum, in Nordost-Arizona erhebt. Wir saßen dort mit fünf Hopi-Priestern, die beteten, rauchten und Gebetsfedern in einen kleinen hölzernen Schrein legten, der inmitten von Felsbrockens stand. Es war eine große Ehre, dass wir uns den Hopi auf ihrer Pilgerreise anschließen durften. Eine Pilgerreise, die sie alle vier Jahre seit der Zeit vor Menschen Gedenken machen, und eine Reise, die sie zu acht entlegenen Schreinen führt. Für das Land, welches sich über das riesige Gebiet des nordöstlichen Arizonas erstreckt, fühlen sich die Hopi spirituell verantwortlich. Stammesältere haben uns gefragt, ob wir sie auf dieser Reise begleiten, um sie für National Geographic zu dokumentieren, so dass die Welt von der Verantwortung der Hopi erfährt.

Die Priester beteten für das Land und für das Wohlergehen aller Lebewesen die dort beheimatet sind. Später erzählten sie uns, dass die Pilgerreise ausgesprochen erfolgreich war. An fast allen Orten, an denen wir gewesen waren, hat es am nächsten Tag geregnet. Nachdem wir das Grand Canyon Village passierten, fiel dort sogar soviel Regen, dass die Behörden alle Straßen für 24 Stunden sperren mussten.

Jedoch existiert dieser Platz auf dem Woodruff Butte auf dem wir vor langer Zeit an diesem sonnigen Tag saßen, nicht mehr. In den 1990er Jahren entfernte ein Bulldozer den Gipfel des Vulkanrestes, der sich im privaten Besitz befand. Das Gebiet des Woodruff Butte wurde verkleinert und viel des ursprünglich geheiligten Platzes gehört nun zum Asphalt des Interstate 40. Das, was gut die längste Pilgerroute in Nordamerika hätte sein können, wurde um ein Achtel seiner Stationen gekürzt.

Unglücklicherweise ist das kein Einzelfall – es gibt eine endlos lange Liste rücksichtloser Ausbeutung geheiligten indianischen Landes. Es ist in der Tat so, dass für die meisten Indianer Nordamerikas das ganze Land heilig ist und dass viel von dem Land ihrer Stammesvorfahren heute durch Städte, Wohngebiete und Autobahnen zerstört wird, oder geschändet wird durch Bergwerke, Chemieanlagen, abgeholzte Wälder und verschmutzte Ströme.

Zehntausende solcher heiliger Orte sind verschwunden, aber zweifellos bleiben noch tausende – bescheidene kleine Schreine hier und da, so wie jener auf dem früheren Woodruff Butte – sie liegen versteckt in Canyons und auf den Spitzen hoher Berge oder zeigen auf unsere Ozeane hinaus. Die heiligen Plätze beinhalten ganze Berge wie beispielsweise die San Francisco Peaks nördlich von Flagstaff in Arizona, ganze Bergketten, wie die Crazy Mountains in Montana sowie auch Seen oder winzige Quellen, die es immer noch in den Städten gibt, oder auch alte Grabstätten. Viele von ihnen sind in Gefahr, und nur bei wenigen dieser Plätze ist eine Atmosphäre der Ruhe garantiert, die typischerweise mit heiligen Orten assoziiert wird. Viele dieser heiligen Stätten befinden sich auf öffentlichem Land und während neuste Gesetze den Verantwortlichen vorschreiben, das Land mit Rücksicht auf die Nutzung durch die Indianer zu behandeln, so muss das Land dennoch mit anderen Menschen geteilt werden, die es für ganz andere Zwecke beanspruchen, wie beispielsweise für Freizeitaktivitäten oder für wirtschaftliche Belange.


VULKANSPITZEN
Stämme wie die Arapaho, Crow, Cheyenne, Kiowa, Lakota und Shoshone haben schon lange bevor die europäischen und frühen amerikanischen Einwanderer Wyoming erreichten, kulturelle und geographische Verbindungen zu Devils Tower gehabt. Der Lakota-Name für den Berg ist Mato Tipila (Wo der Bär wohnt). Foto: John Fiscus/Chef-Pilot der Flugakademie.


Der Devil’s Tower in Nordwest-Wyoming, zum Beispiel, ist ein gigantischer Hals aus vulkanischem Gestein. Von der Seite sieht er so aus als wäre er von den Klauen eines Bären zerkratzt worden. Das nationale Monument erhebt sich mehr als 360 m über dem Land und stellt für viele Plains-Stämme einen geheiligten Platz dar. Sie gehen dort hin um zu beten, um Pflanzen für ihre Zeremonien zu sammeln und um mit ihren Vorfahren und ihrer Geschichte in Verbindung zu treten. Darüber hinaus stellt ein Trip zum Devils Tower eine großartige Herausforderung für Bergsteiger dar, welche die gefurchten Seiten im Sommer so überhäufen wie Fliegen die Küchenwand. Seit Jahren beantragen die Stämme beim National Park Service, dass im die Bergsteiger den Ort freiwillig den Stammesmitgliedern für ihre jährlichen Pilgerreisen überlassen sollten. Der größte Teil der Bergsteiger (jedoch nicht alle) hat zugestimmt. Somit gibt es einen kleinen Fortschritt, ein Zeichen des Respekts. Wahrer Fortschritt jedoch würde eine Namensänderung beinhalten – Bear’s Lodge (Wohnung des Bären) ist vorgeschlagen worden. Die Stammesgeschichte assoziiert den Ort mit Bären und die Bewohner der Plains wissen genau wer der Teufel ist. Aus der Sicht der Indianer ist der Name Devil’s Tower ungefähr so respektvoll wie es der Name Windigo Wine Bar (Windigo-Weinstube) für die St. Patricks Kathedrale in New York wäre.

Die erste bedeutende Wiederherstellung von geheiligtem indianischem Gebiet fand in den frühen 1970ern statt, als Stammesältere des Taos Pueblos in Neu Mexiko die Hilfe des jungen US-Senators Fred Harris (D-Okla) gewinnen konnten. Damals erhielten sie den Blue Lake in den Bergen über ihrem Pueblo zurück. Der See war (und ist) ein Ort für besondere Zeremonien, welche die Bewohner aus Taos ganz privat abhielten, ein Vorhaben, das durch das Kommen und Gehen der Besucher von Carson National Forest erschwert wurde. Anders als die Hopi in den 1980er Jahren, aber wie die meisten Stämme in dieser Zeit, hatten sich die Taos Pueblo niemals frei genug gefühlt, ihre Zeremonien und deren Besonderheiten am Blue Lake offen zu legen. Nichtsdestotrotz ist es Senator Harris und seiner Frau LaDonna, einer Nachfahrin der Comanche, damals gelungen, die Nixon-Regierung für dieses Vorhaben zu gewinnen, und die Bemühungen der zwei Parteien konnten dem Widerstand im Senat trotzen. Der Blue Lake wurde dem Carson National Forest entzogen und er wurde am 15. Dezember 1970 wieder unter die Kontrolle der Bewohner von Taos gebracht. Präsident Nixon sagte dazu, dass nun eine neue Ära der Kooperation begonnen hätte, eine neue Ära, die den Paternalismus ablöse. Das jedoch, bleibt natürlich immer noch abzuwarten.


DAS GEHEILIGTE WIEDERGEWINNEN

Kürzlich konnte knapp verhindern, dass die seichten Gewässer des Zuni Salt Lake im westlichen Neu Mexiko durch das Salt River Project trockengelegt werden. Das Salt River Project ist der drittgrößte Versorger des Landes, der Phoenix und Zentral-Arizona mit Wasser und Elektrizität beliefert. In dem See, der von einer Quelle mit Wasser versorgt wird, ist die Salz-Mutter der Zuni zu Hause, und er ist der Ort wichtiger Initiationszeremonien. Der See produziert unglaublich reines Salz, welches auch essentiell für die Belange der Zuni, der Hopi, der Navajo, der Acoma und der Laguna ist. Selbst wenn unter einigen Leuten dieser Stämme Unstimmigkeiten vorherrschten, sobald sie einen Fuß auf das Land setzten, welches zum See führt, waren Feindseligkeiten verboten. Nach einer althergebrachten Sitte bedeutet der Pfad die südwestliche Version des Kalumets. In den späten 1980er Jahren gab das US-Außenministerium den See und 2,4 qkm des Landes um die Neu-Mexiko-Wüste dem Zuni-Stamm zurück. Das Gebiet stellt nun eine neutrale Zone dar und darf von allen Indianern der Region benutzt werden. Jedoch war das zu Hause der Salz-Mutter noch immer nicht ganz sicher.

18 Kilometer vom Salt Lake entfernt war die winzige Stadt Fence Lake als massive Kohlemiene für das Salt River Project vorgesehen. Insgesamt sollten dort 80 Millionen Tonnen Kohle gefördert werden., ein Vorhaben, das für die Region auch das Entziehen von mehr als 76 Milliarden Liter Grundwasser mit sich gebracht hätte. Der Streit der Geologen, die von beiden Parteien, dem Salt River Project und den Zuni beauftragt wurden, endete in einem Unentschieden darüber, ob der massive Verlust von Grundwasser den Salt Lake trocken legen würde. Die Zuni aber wollten das auf keinen Fall dem Zufall überlassen. Sie kontaktierten die Hopi und andere Indianer sowie mehrere nationale Umweltschutzorganisationen und andere Gruppen, um eine Koalition zu organisierten. Deren konstante und intensive Widerstandskampagne führte dazu, dass das Salt River Project am 4. August 2003 das Handtuch warf und alle Staatsgenehmigungen und Pachtverträge aufgab, die es für die Miene erworben hatte. Wie die Anishinaabe-Schriftstellerin und Umweltaktivistin Winona LaDuke kommentierte, „Die Zuni sind schon ein paar zähe Indianer.“

Zwei Monate später jedoch sollte der Jubel über den Erfolg der Zuni gestoppt werden. Die US-Behörde für Landverwaltung hat in der Nähe des Salt Lake ein riesiges Areal für Öl- und Gasgewinnung ausgewiesen.

Wenden sich die Dinge für die geheiligten Plätze der Indianer zum Guten oder zum Schlechten? Bringt jeder Erfolg weitere Erfolge hervor? Mit jedem Erfolg lernen die Indianer neue Techniken, neue Wege, um die diversen Folgen von Anspruchstellern, die ihre heiligen Gebiete belagern wollen, zu vereiteln. Sie gewinnen neue Verbündete, jedoch variieren die Zuständigkeiten, die Rechts- und Verwaltungsfragen von Ort zu Ort, und die Notwendigkeit für konstante Wachsamkeit scheint endlos.

Vielleicht jedoch nicht am Rice Lake in Nordost-Wisconsin. Oberhalb des Rice Lake am Wolf River fand 1975 der Mienengigant Exxon Minerals ein 55-Millionen-Tonnen-Depot von Zink und Kupfer. Danach gingen die Minenrechte durch unterschiedliche Hände und endeten 2003 schließlich in den Händen der Northern Wisconsin Resources Group LLC. Jahrzehntelang hatten die indianischen Völker dieses Gebiets – die Sokaogon Ojibwe, Menominee und Potawatomi, alles Wildreisvölker – gegen die Crandon-Miene protestiert, in dem Wissen, dass sie unvermeidlich und ganz erheblich die Gewässer des Gebiets verschmutzen würde. Das würde sicherlich zum Ruin des Wildreiswachstums führen. Die Wildreisernte beinhaltet eine Jahrtausend alte geheiligte Tradition ebenso wie viele Zeremonien und andere gemeinschaftliche Aktivitäten in denen sich die Menschen überall entlang der Wasserläufe engagieren. Während sich Bundesagenturen, Indianer, die Mienengesellschaft und Gerichte über diesen Fall streiteten – es ging hier auch um die Rechte von Indianerreservationen und um die Kontrolle der Reinheit des Wassers, welches von woanders in ihr Land gelangt – bot sich eine andere Lösung an. Im Oktober 2003 kauften die Mole-Lake-Gruppe der Sokaogon Ojibwe und die Forest-County-Potawatomi-Gemeinde einfach das Land, auf dem die Crandon-Miene hätte entstehen sollen und die Mienengesellschaft gleich mit - finanziert durch Gewinne der Kasinoeinrichtungen. Das Land  wird zwischen den beiden Stämmen aufgeteilt und von nun an für nachhaltige Entwicklung eingeplant. Und auch die Reisernte kann hoffentlich auf unendliche Zeit fortgesetzt werden.


DIE BELÄSTIGUNG VON BEAR BUTTE

Bear Butte ist ein Lakkolith – eine Magmablase, die Geologen zufolge niemals ein richtiger Vulkan geworden ist. Foto: Christopher McLeod, Sacred Land Film Project.



Er erhebt sich 366 m über das ihn umgebende Land, wenige Kilometer entfernt von Sturgis, South Dakota. Es war hier, wo die nördlichen Cheyenne ihre vier geheiligten Pfeile und grundlegenden Unterweisungen erhielten, und hier gab der Schöpfer den Lakota ihre heiligen Lehren. Das Gleiche gilt für die Crow, die Kiowa und für circa 25 andere Stämme. An jedem Tag sind Indianer auf Bear Butte präsent; hier endet ihre Pilgerreise, sie schmücken ihn mit Gebetsflaggen und suchen nach Visionen. Bear Butte ist seit 1962 ein staatlicher Park und seit 1965 ein nationales historisches Wahrzeichen. Der Platz ist im Nationalregister für historische Plätze registriert und der Summit Trail (Gipfelpfad), ein nationaler Freizeitpfad, führt durch das Gebiet. Als nationales Wahrzeichen, wird dem Platz, der unter Indianern heilig ist, zumindest etwas Schutz zugestanden. Alle anderen Bezeichnungen führen eher dazu, dass der Ort gestört wird, durch eine steigende Anzahl von Touristen und Besuchern, die Erholung suchen. Einst ließ der Staat sogar Besucherplattformen errichten, damit die Touristen einen bequemen Platz haben, von dem aus sie die Indianer bei ihren Zeremonien angaffen können.



Oben: Bear Butte International Alliance (Internationaler Verbund von Bear Butte) protestiert bei der Anhörung über die Schanklizenz vor dem Büro des Beauftragten von Meade County. Unten: „Ich werde niemals das schreckliche Gefühl in meinem Herzen vergessen, das ich hatte als ich das erste Gebäude gegenüber unseres geheiligten Berges sah. So etwas habe ich noch nie zuvor erlebt,“ sagt Jay Red Hawk von der Bear Butte International Alliance. „Am 24. Juni wurden die 25 m hohen Stahlträger aufgestellt und ich wusste, dass die unberührte Aussicht auf unseren heiligen Berg, von diesem Punkt aus, nördlich des Berges, für immer ruiniert sein würde. Wie eine Ghetto-Präriescheune auf Pfählen ragt die dreistöckige Bar in die Ebenen und wirkt wie ein krankhaftes Geschwulst“. Fotos: Jay Red Hawk.


Vor kurzem konnte der staatliche Park davon überzeugt werden, indianische Führer einzustellen. Diese erklären den Touristen, die spirituelle Bedeutung des Berges und bitten sie, die indianischen Rituale nicht zu stören. Ja, das ist zwar schön, aber unmittelbar unter dem Hügel gibt es weitere Bedrohungen, weiteren Druck, weitere Ideen wozu man den Berg und das ihn umgebende Land noch verwenden könnte. Das alles ist einfach entsetzlich, wenn man bedenkt, dass Bear Butte für unzählige Indianer ein so heiliger Platz ist wie der Vatikan für Katholiken.

Sturgis ist das Epizentrum eines der größten Biker Rallies des Landes. Jedes Jahr im August tauchen hier nicht weniger als 500.000 Menschen auf aufheulenden, donnernden Harleys auf. Im Interesse der Biker und der anderen Besucher ließ ein Ortsansässiger eine riesige Konzerthalle errichten und eröffnete eine riesig große Bierbar – und das in Rufweite von Bear Butte. Manche sagen, dass die Bar möglicherweise bald geschlossen würde, weil die Stadtväter die Lizenz illegalerweise erteilt hätten. Oder vielleicht wird der Bezirk (Meade) auch endlich zustimmen, Regeln für bestimmte Zonen aufzustellen, so dass Bars und Konzerthallen in der Umgebung von Bear Butte verboten werden. Oder vielleicht ist es auch schon zu spät. Wie dem auch sei, all das wird nun vom Obersten Gericht in South Dakota entschieden.

Rock ’n’ Roll Visionssuchen? Das scheint unangemessen, aber das Gesetz ist für alle da. In ähnlichen Fällen haben einige Richter Emory Sekaquaptewa, einem Hopi-Juristen über Jahre hinweg zugestimmt. Die US-Verfassung wiedergebend, sagte er, „Ich habe ein Recht darauf, an das zu glauben was ich gelehrt wurde und dieses Recht sollte mir niemand nehmen dürfen.“ Andere Richter jedoch kamen zu dem Schluss, dass die vielfältige Nutzung solcher Plätze den Glauben des Einzelnen nicht störe, auch wenn sie zu einem gewissen Grad religiöse Rituale an bestimmten Orten störten. Das Verbieten des Zutritts zu solchen Plätzen wie Bear Butte für Nichtindianer, so sagen diese Richter, käme der Gründung einer Religion gleich, was wiederum der erste Zusatzartikel derselben Verfassung verbiete.

Unter anderem ist es dieses ganze Durcheinander, das nach größeren kreativen Bemühungen schreit, um das amerikanische Rechtssystem, das größtenteils auf Persönlichkeits- und Eigentumsrecht basiert, in irgendeiner Weise an das kommunale, natur- und ortsgebundene Glaubenssystem vieler Indianer (und anderer Gruppen) anzupassen. In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass Christen gerade beginnen so etwas wie eine Creationstheologie zu erfinden, was im Prinzip Ähnlichkeit mit dem hat, was sich auf Bear Butte abspielt. Anwälte jedoch, wie wir alle wissen, gehen von dem aus was vorausgegangen ist - und nennen das Vernunft. Es ist jedoch möglich, dass der ökologische Schaden der uns allen aufgrund der globalen Erwärmung bevorsteht das Gesetzt in eine neue Richtung lenkt, da es Diskussionen verursacht wie privater und öffentlicher Besitz im Angesicht vordringender Wellen und des Besitzes aller Sorten von Ressourcen, verschwindet.


UND DIE LISTE IST NOCH LÄNGER

Zahllose Schlachten um indianische geheiligte Gebiete werden überall in den USA ausgefochten. Im Jahr 2000 kaufte das Innenministerium für eine Million Dollar eine Bimssteinmiene auf, die den östlichen Hang der San Francisco Peaks im Norden Arizonas verunstaltete. Jedoch steht jetzt die Forstbehörde unter Druck, das Herstellen von Schnee aus aufbereitetem Wasser in der Arizona Snowbowl, einem Schigebiet in den Bergen, zu erlauben. Nach dem Glauben der Hopi sind die San Francisco Peaks für die Hälfte eines jeden Jahres die Heimat der Hopi-Katsina. Die Hopi glauben, dass die Katsina auf den Gipfeln den Regen für die 145 km östlich liegenden Hopi-Felder herbeibringen.

1884 wurde in der Nähe von Lawrence, Kansas, in den Wakarusa Wetlands (Sumpfgebiet), die Haskell-Indianerschule gebaut. Die Behörden nahmen die indianischen Kinder ihren Familien mit Gewalt weg und versuchten sie ihrer Stammesidentität zu berauben. Viele Kinder starben an Krankheiten, verübten Selbstmord oder gingen an der Härte der Regimes zu Grunde. Viele der Toten wurden in dem Sumpfgebiet begraben, dort wo sich auch Schüler hinschlichen, um Zeremonien abzuhalten, die ihnen ihr Heimweh erleichtern sollten. Die Schule existiert noch heute und heiß jetzt Haskell Indian Nations University. Viele Stämme, einschließlich den Potawatomi, Sac und Fox sowie der Iowa betrachten diesen traurigen Friedhof der indianischen Kinder mit ihren stummen Erinnerungen, ihrer heimlichen Gebete und Zeremonien als heiligen Grund. Zusammen mit Aktivisten von Umweltgruppen und anderen Verbündeten versuchen sie den Bau einer Autobahn, die genau durch das Sumpfgebiet führen soll, zu verhindern. Außerdem ist noch eine weitere Autobahn geplant. Diese soll auf einem Gebiet in der Nähe von Macon, Georgia gebaut werden und würde somit die alten Hügeltempel und historischen Dörfer der Muscogee in Ocmulgee Old Fields zerschneiden. „Wenn wir nicht auf die Stimmen hören, die diese Winde uns bringen,“ sagt der ortsansässiger Muscogee Stan Cartwright, „dann wird nichts mehr von dem Vermächtnis unserer Geschichte für unsere Enkelkinder übrig bleiben.“

Energieversorger und Grundstücksgesellschaften haben alles getan um das Land um Snoqualmie Falls ,48 km außerhalb von Seattle zu bekommen. Der Snoqualmie-Stamm hat sie clever abgewehrt indem er das regionale Bürgerbüro für sich gewinnen konnte – um die Wasserfälle zu erhalten, den Ort wo der Mond den ersten Mann und die erste Frau erschaffen hatte.
Weiter westlich haben die Ureinwohner Hawaiis mit einem Gerichtsfall etwas Zeit gewonnen um ihre Bemühungen fortzusetzen, ein Vorhaben der Universität von Hawaii und der NASA zu unterbinden. Auf dem Gipfel von Mauna Kea sollen nämlich sechs weitere astronomische Beobachtungsanlagen gebaut werden. Der Berg steht im Mittelpunkt der Schöpfungsgeschichte der Ureinwohner und ist schon mit zwölf Observatorien bebaut worden.
In Virginia ist der Mattaponi River durch ein Dammprojekt bedroht, das vom Army Corps of Engineers ins Leben gerufen wurde. Wie jedoch der Klanältere des Mattaponi-Stamms Carl Lone Eagle Custalow sagt, „Dieser Fluss ist das Herzblut dieser Reservation weil er unserem Volk, unserer Kultur ermöglicht hat zu überleben.“


Oben: Morgenlicht auf den Petroglyphen im Nine Mile Corral in Ost-Utah. Foto: Diane Orr.


In Utah, kämpfen die Ute und andere indianische Völker, einschließlich der Hopi gegen Pläne der Behörde für Landverwaltung, die vorsehen, dass am Rand des Nine Mile Canyons nach Öl und Gas gebohrt wird. Dieser Canyon wird auch als „die längste Kunstgalerie der Welt“ bezeichnet, denn an seinen Wänden sind mehr als 10.000 Petroglyphen zu sehen. Weiterhin findet man dort die Überreste alter Siedlungen, die von den Fremont-Indianern vor 1000 Jahren errichtet wurden. „Das ist unsere Kirche,“ sagt der religiöse Anführer Larry Cesspooch.

Überall in den Vereinigten Staaten sind geheiligte indianische Orte – man möge sie natürliche Kirchen nennen, wenn so die Bedeutung dieser Plätze klar wird – bedroht. Jedoch werden auch überall im Land die Stimmen der Indianer gehört – das äußerst sich in organisierten Protestaktionen, in der Literatur, in Gerichtsverhandlungen, und sie werden sogar von Firmenvorständen wahrgenommen. Wie Toby McLeod bemerkt, dessen Dokumentarfilm „In the Light of Reverence“ dieser Fragestellung eine breite Aufmerksamkeit beschert hat, „Vor zehn oder fünfzehn Jahren wusste niemand außerhalb der Stammesgemeinschaften etwas von den heiligen indianischen Orten. Nun aber ist das Konzept einer breiten Masse zugänglich gemacht worden. Wir sind einen weiten Weg gegangen.“ Dennoch, sagt er weiter, „dieses Thema wird für immer unsere Wachsamkeit fordern.“

Es scheint als ob die Indianer nicht länger ruhig zusehen werden, wie ihre geheiligten Plätze entweiht und zerstört werden. Diese Orte werden besungen, geschätzt, es wird um sie prozessiert und sie werden verteidigt. In den Winden liegt jetzt eine mächtige und gerechte Stimme und Menschen mit guten Ansichten werden sie erhören, und wenn sie gesunden Menschenverstand haben, dann werden sie sich dem Chor anschließen.

Jake Page ist der Co-Autor des Buches Hopi und Navajo, das er zusammen mit seiner Frau, der Fotografin Susanne Page geschrieben hat, und er ist Herausgeber von Sacred Lands of Indian America. Er lebt in Lyons, Colorado.

Weiterführende Lesetipps
- LaDuke, Winona. Recovering the Sacred. Cambridge MA: South End Press, 2005.
- Nabokov, Peter. Where the Lightning Strikes: The Lives of American Indian Sacred Places. New York, NY: Viking, 2006.
- Page, Jake (ed.). Sacred Lands of Indian America. New York, NY: Harry N. Abrams, 2001.
Sacred Land Film Project. In the Light of Reverence. bullfrogfilms.com

Weitere bedeutende heilige Orte
Alabama: Hickory Ground
Arizona: Baboquivari Mountain, Black Mesa, Emerald Peak (Mount Graham)
California: Cave Rock, Medicine Lake and Mount Shasta, Morro Hill, Old Woman Mountains, Point Conception
Maine: Penobscot River
Minnesota: Minnehaha Park, Pipestone National Monument
Montana: Badger-Two Medicine, Little Rockies (Fur Caps), Tongue River, Weatherman Draw
New Mexico: Huerfano Mountain, Petroglyph National Monument
New York: Ganondagan State Historical Site
North Carolina: Little Tennessee River
Oregon: Klamath Basin
South Dakota: Black Hills
Washington: Arlecho Woods
Wyoming: Medicine Wheel
 


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