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Masken des alten Amerika
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By Site Editor
Published on 02/4/2008
 
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„In einer komplexen Welt, die ständig Im Wandel ist, stellt die Maske für uns Indianer ein Kontinuum dar, die es ermöglicht, unsere Verbindung zum Universum zum Ausdruck zu bringen. Mit den Masken kennzeichnen wir unsere Menschlichkeit. Durch die Masken bekräftigen wir unsere auf das Firmament bezogenen Plätze, die den Mond und die Sterne ehren, durch Masken besiegen wir unsere Furcht vor der Tiefe der Ozeane, durch Masken treten wir mit der spirituellen Welt in Kontakt, unserem letzten Ziel.“

Masken des alten Amerika
Masken des alten Amerika

Von Amy Abrams


Leitartikel in Native Peoples, Juli/August 2007

übersetzt von Alexandra Galindez Ortega, Waiblingen in Kooperation mit Dr. Sonja Schierle, Linden-Museum Stuttgart

„In einer komplexen Welt, die ständig Im Wandel ist, stellt die Maske für uns Indianer ein Kontinuum dar, die es ermöglicht, unsere Verbindung zum Universum zum Ausdruck zu bringen. Mit den Masken kennzeichnen wir unsere Menschlichkeit. Durch die Masken bekräftigen wir unsere auf das Firmament bezogenen Plätze, die den Mond und die Sterne ehren, durch Masken besiegen wir unsere Furcht vor der Tiefe der Ozeane, durch Masken treten wir mit der spirituellen Welt in Kontakt, unserem letzten Ziel.“
- Robert Joseph, ein Kwakwaka’wakw-Anführer, in “Down from Shimmering Sky: Masks of the Northwest Coast”

In einer Vollmondnacht schickt ein loderndes Feuer Funken empor, die wie winzige Sterne durch die Dunkelheit schießen. Mit einer hölzernen Maske, die in Schwarz, Rot und Grün bemalt ist, Zähne eingelegt aus Seeohrmuschel (Abalone) besitzt, tanzt ein Mann in den sich wandelnden Schatten des flackernden Feuers. Seine Stammesmitglieder sind um ihn herum versammelt. Er ist ein Tlingit-Schamane der pazifischen Nordwestküste, der Geister herbeiruft, um Kranke zu heilen.

Die Indianer Nordamerikas glaubten, dass Geister für ihr Wohlergehen verantwortlich seien. Um Hilfe, Mut oder Mitgefühl von übernatürlichen Wesen zu erhalten, trugen Schamanen und andere Mitglieder des Stammes in traditionellen Zeremonien Masken als Teil des Tanzkostüms. Diese Masken waren oft der mächtigste Bestandteil ihrer Rolle und sie wurden als heilig angesehen.

Während das Herstellen von Masken unter den meisten nordamerikanischen Indianern historisch dokumentiert ist, so war es doch kein allgemeiner Brauch. Die Mehrheit der Dokumentationen über das Anfertigen und Tragen von Masken führt vier verschiedene Gruppen an: die Irokesen des Nordöstlichen Waldlandes, die Hopi und Navajo des Südwestens, Alaskas Eskimos sowie die Indianer der Nordwestküste.

NORDWESTKÜSTE

Die Indianer der Nordwestküste besaßen die am kunstvollsten gestalteten Masken der Indianer Nordamerikas. Tatsächlich sind ihre Masken wegen ihrer realitätsgetreuen Gestaltung, ihrer Handwerkskunst und ihrem Kraftpotential als die beachtlichsten künstlerischen Kreationen aller Gesellschaften beschrieben worden. Sie wurden getragen um Kranke zu heilen sowie bei geheimen Ritualen, für gesellschaftliche und religiöse Zeremonien, als auch zur Unterhaltung.

Anders als die Indianer der Plains, die ständig ihre Heimat verließen um den umherziehenden Bisons zu folgen, lebten die Völker des Nordwestens in festen Siedlungen, in denen es reichlich Wasser und die natürlichen Ressourcen der Wälder gab, was es ihnen ermöglichte mehr Zeit damit zu verbringen, ihre Häuserfronten, Wappenpfähle, Kanus, ihre Kleidung und ihren Schmuck aufwändig zu dekorieren. Die Region, die sich von der Südwestküste Alaskas von der Yakutat Bay südlich durch British Columbia bis zum Gebiet des Columbia River in Washington und Oregon erstreckt, beinhaltet sieben Gruppen: die Tlingit, Haida, Tsimshian, Bella Coola, Kwakiutl, Nootka und die Coast Salish. Diese Gruppen werden in Regionalgruppen aufgeteilt, die aus Klans bestehen, und der zentrale Bestandteil jeder Zeremonie eines Klans ist das Wappen. Familienwappen stellen spirituelle Wesen, Menschen und Tiere als ihre Vorfahren dar. Die Wappen zeigten viele verschiedene Tiere darunter Adler, Rabe, Kranich, Schnepfe, Bär und Wolf. Die Masken eines Klans stellten fachmännische Schnitzer her (ausschließlich Männer, gewöhnlich solche von hohem Rang, die Jahre damit verbrachten ihr Handwerk zu verfeinern, und denen es verboten war, die Masken vor dem ersten Tragen zu enthüllen). Die Masken wurden zunächst aus Zedern- oder Erlenholz geschnitzt und dann mit verschiedenen natürlichen Substanzen bemalt. Als Farbe verwendete man beispielsweise Pflanzenextrakte, Blut, Pilze, Bärendung oder Steine. Verziert wurden die Masken mit Seeohrmuschel, Operculum (Schneckendeckelchen), Fell und Menschenhaar.

Der wichtigste Anlass zum Tragen dieser Masken, war vor allem das Fest, das im Rahmen eines Potlatch oder „Giving Away“ (das Verschenken von Dingen wie Lebensmitteln oder Schmuck) veranstaltet wurde. Diese Feste wurden zur Namensgebung von Kindern, zu Hochzeiten, Beerdigungen oder Ehrungen abgehalten. Sie dauerten mehrere Tage, bei denen gesungen, getanzt, gespielt und dramatische Aufführungen vorgestellt wurden.

Die Stämme der Nordwestküste hatten drei Arten von Masken: Einteilige (bestehend aus einem Stück Holz), mechanische (gebaut mit einer Schnur und Scharnieren – nach dem Erscheinen der Europäer – um Mund und Augenlieder der Maske bewegen zu können) und Transformationsmasken (mit ein oder mehreren Gesichter versteckt hinter dem äußeren Gesicht). So stellt beispielsweise eine wandelbare Maske der Bella Coola einen Lachs dar, der sich öffnet und dann den Lachsfischer enthüllt; der, der Sage nach, zum Grund des Meeres taucht und die Lachse den Flusslauf hinauf bringt.

Transformationsmasken erfordern ernorme Fähigkeiten sowohl bei der Herstellung als auch bei der Handhabung. Der Träger zog an Schnüren, die Schwänze, Flossen oder Vogelschnäbel bewegten, zudem geöffnete Mäuler von Tieren wie Walen oder Bären. Fransen aus Zedernbaumrinde bedeckten den Rumpf des Trägers und versteckten so die manipulativen Mechanismen der Maske. Masken, die Menschengesichter darstellten, bildeten die Details eines Menschen vereinfacht ab, aber dennoch verblüffend realistisch ab. In verschiedenen Formen gefertigt, waren sie bis zu 1,83 Meter hoch und wogen bis zu 18 Kilo. Große und schwere Masken hatten ein Netz aus gebogenen Zweigen, das über dem Kopf oder ein Leibgurt, der vom Tänzer über Schulter und Oberkörper getragen wurde.

Darüber hinaus trugen die Schamanen der Nordwestküste auch Masken um Kranke zu heilen, um Jäger zu ihrer Beute zu führen, um Vorhersagen zu treffen (etwa über das Wetter) sowie bei Ritualen und Zeremonien. Die Schamanen schnitzten ihre eigenen Masken, von denen sie mehrere besaßen.

UNTER DEN IROKESEN

Da die Nation der Irokesen in einem Gebiet lebt, das vom Eriesee bis zum Hudson River in New York reichte, verwendeten sie Kräuter, Wurzeln und Baumrinde, um die Kranken zu heilen. Wenn die Krankheit oder Verletzung dennoch nicht geheilt werden konnte, so bat der Patient die Falschgesichtergesellschaft um Hilfe. Die Identität der Mitglieder dieser Gesellschaft war geheim; obwohl sie ausschließlich aus Männern bestand, kümmerten sich ein bis zwei Frauen um deren Masken.
Ein neues Mitglied stellte seine Maske selbst her nachdem es in den Wäldern einen Baum gefunden hatte, dessen Geist zu ihm sprach. Der Mann machte ein Feuer, verstreute Tabak und schnitzte dann die Maske aus dem Baumstamm. Es war von großer Bedeutung, dass der Baum weiterlebte, so dass die Maske von der kraftvollen Energie des Lebens zehren konnte. Die Maske wurde in Abgeschiedenheit herausgemeißelt, denn das kreative Schaffen einer Maske war heilig. Anschließend wurde die Maske poliert, mit roter und schwarzer Farbe bemalt, sowie mit Haaren und Federn dekoriert.
Zum Schluss segneten die Mitglieder der Gesellschaft die Maske. Neben Baumstämmen, verwendete man auch Maishülsen zur Maskenherstellung. Wenn nicht getragen, wurden die Masken versteckt – mit dem Gesicht nach unten, sonst würden sie sich möglicherweise gegen ihre Besitzer wenden. Um die Geister der Masken zu besänftigen, boten ihnen ihre Besitzer Maismehl und Tabak an und sie rieben ihnen ihre Lippen mit Fett ein. Hatte die Maske zur Heilung geführt, befestigten die Irokesen kleine Beutel mit Tabak an ihnen.
Diese Masken haben ihre Kräfte bis heute erhalten und sie werden nur für ihre vorgesehenen Zwecke getragen. Aufgrund ihrer heiligen Natur ist das Herstellen für kommerzielle Zwecke, das Ausstellen und das Darstellen auf Bildern und Fotos verboten. Nach dem Native American Graves Protection and Repatriation Act von 1990, welches die Rückgabe von geheiligten Gegenständen der Indianer beinhaltete, wurden viele Masken an die Irokesen zurückgegeben (sowie auch an andere indianische Völker). Seneca-Künstler und Autor Peter Jemison leitete eine Initiative, die sich darum bemühte, rund 300 wertvolle Masken, die sich über Jahrzehnte im Besitz von Museen befanden, zurückzuerlangen (für fünf Irokesen-Völker). Er sagt, „Ich bin dankbar, dass sich diese Objekte jetzt wieder im Besitz der Indianer befinden.“ Es gab durchaus Versuche uns loszuwerden…aber wir sind Stehaufmännchen. Ich will, dass die Leute wissen, dass wir noch existieren und nicht nur ein Überbleibsel der Vergangenheit sind, sondern dass wir im Hier und Jetzt leben.“

IN ALASKA

Die Eskimo Alaskas hatten eine ausgeprägtere Maskenkultur als andere indigene Völker der arktischen Regionen. Sie stellten ihre Masken aus Treibholz, Fichten oder Pappeln her und diese nahmen die Gestalt von Menschen, Tieren oder Vögeln an. Getragen wurden sie zu Tanzfesten, die drei bis vier Tage dauern konnten, einschließlich des Blasen-Festivals, welches abgehalten wird, um die getöteten Tiere zu ehren, die als Nahrung dienen. (So glauben die Eskimo, dass die Seele des Tieres in seiner Blase verweilt). Eine Maske die einen Geist darstellte, hatte gewöhnlich einen entstellten Ausdruck. Männer trugen im Allgemeinen Gesichtsmasken, während Frauen winzige Fingermasken trugen. Schamanen stellten ihre Masken in der Regel selbst her, diese waren oft hässlich – zum Beispiel mit einem großen Zahn, der aus dem Mund herausstand oder mit roter Farbe bespritzt, welches tropfendes Blut darstellte. Im Gegensatz dazu, trugen Tänzer zu bestimmten Festen lustige Masken, um Gäste, die ihr Dorf besuchten, zum Lachen zu bringen.
Die Masken der Eskimo waren naturbelassen oder wurden mit zarten Tönen bemalt – etwa mit weißem Ton oder grünen Pilzen. Die Dekorationen bestanden aus Stacheln vom Baumstachler, Federn, Fell oder Menschenhaar. Wenn der Mund der Maske mit Zähnen gefüllt war, dann waren diese oft aus Holz, Knochen, Elfenbein oder echten Tierzähnen.

DER RÜCKGANG DER MASKENHERSTELLUNG

Das Erscheinen der Europäer hatte gewaltige Auswirkungen auf die Kunst und Kultur der Indianer, einschließlich ihrer reichen Tradition des Herstellens von Masken. Metal für Werkzeuge und Gelenkteile wurden verfügbar, und neue Einflüsse halfen der Entwicklung verschiedener künstlerischer Stile auf die Sprünge. Jedoch hat die westliche Kultur auch Zerstörung durch Kriege, Epidemien und Landenteignung gebracht. Als die Bundesregierung zunehmend das soziale, wirtschaftliche und politische Leben der Indianer kontrollierte, ging auch das Herstellen von Masken zurück.
Heute erhalten zeitgenössische Künstler – besonders im Südwesten und an der Nordwestküste – die Kunst ihrer Vorfahren in der Maskenherstellung. In einem wesentlich kleineren Ausmaß sind Masken immer noch ein lebhafter und wichtiger Bestandteil des Lebens der Menschen, die sie einsetzten. David Boxley (Tsimshian), ein international gefeierter Schnitzer aus Metlakatla, Alaska (heute wohnhaft im Bundesstaat Washington), sagt: „In dem aktuellen Wiederaufleben der indianischen Kulturtraditionen sind die Künstler die Kulturbewahrer für ihre Völker geworden.“ In Alaska und Washington organisiert und veranstaltet Boxley Potlatch-Feste bei denen Tänzer Masken tragen. „Wir versuchen der nächsten Generation mitzugeben was noch übrig ist. Ich möchte, dass meine Kinder und andere junge Indianer stolz auf ihr Erbe sind, damit sie die Fortführung unsere Kultur sicherstellen können.“


Die freie Kunstautorin Amy Abrams aus Tempe, Arizona hat Hunderte von Artikeln für regionale und nationale Zeitungen und Magazine geschrieben, darunter auch Art & Antiques, Soutwest Art, Phoenix Home & Garden and Arizona Highways.



Fotos
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Die Masken der Nordwestküste, die auf dieser und der nächsten Seite gezeigt werden, sind in der Ausstellung „Listening to Our Ancestors: The Art of Native Life Along the North Pacific Coast“ im George Gustav Heye Center des National Museum of the American Indian in New York zu sehen (12. September 2007 - 18. Mai 2008).
Gegenüberliegende Seite: Tsimshian-Maske, frühes 19. Jh.. British Columbia, Kanada. Holz, geschnitzt, bemalt und mit Haar ausgestattet.
Unten: Nuxalk-Maske, die einen Raben darstellt, zweite Hälfte 19. Jh. Erlenholz, Glas, Zinnober, Blaufärbung und Bemalung.

Unten: Gitksan-Maske eine Eule verkörpernd. Holz, geschnitzt und bemalt, ca. 1900.

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Mechanische Muschelmaske der Heiltsuk, ca. 1900, British Columbia, Kanada. Holz, geschnitzt und bemalt, Leder und Baumwollschnur. „Im Muscheltanz, einem Frauentanz, kommen die Muscheln heraus, um mit den Menschen zu tanzen. Wenn eine wirklicher Mensch erscheint, schließen die Tänzer ihre Schalen und verwandeln sich wieder in Muscheln.“ Aus „Listening to Our Ancestors,“ veröffentlicht vom Smithsonian/National Museum of the American Indian (NMAI).

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Maske; 19.-20. Jh. Holz, Federn, Pigment, ca. 25 x 44 cm. Nordamerika, USA, Arktische Region, Alaska.