Santa Fe's Indianer Markt:
Das Beste vom Besten

Artikel von Anne Hillerman in Native Peoples Juli/August 2002, Seite 26-27 und Seite 29;
übersetzt von Curt-Dietrich Asten und Dr. Sonja Schierle

Der "Indianer Markt" 2002 von Santa Fe öffnet zwar erst am Samstag, 17. August, aber der Rummel beginnt schon lange vorher. Die Begeisterung für den "Indianer Markt" ist auch nach 80 Jahren ungebrochen.

Rund 1.200 der besten Künstler/innen des Landes treffen sich hier und bringen die speziell für diese Schau angefertigten Stücke mit. In seiner Art ist es der größte Markt überhaupt. Der Marktplatz von Santa Fe ist belegt mit über 600 Marktständen. Normalerweise zählen die Einwohner der Stadt um die 60.000, doch jetzt schwillt die Zahl auf 100.000 und mehr an. Da kommen die Käufer in der Hoffnung, etwas Einzigartiges und Schönes zu erwerben ­ Schmuck, Keramik, Gemälde, Fotos, indianische Trommeln, Perlarbeiten, Kupferstiche, Radierungen und vieles mehr.

Dieser Markt zeichnet sich dadurch aus, dass sowohl Künstler/innen aus den Reservationen, als auch aus den Ateliers der Städte von Alaska bis Wisconsin hier ausstellen. Sie zeigen neue Werke, treffen sich mit alten Freunden und schauen was ihre Kollegen ­ die Besten der Besten ­ zu bieten haben.

Hierzu nun das Beiprogramm ­ eine Vorschau auf die Preisträger, eine illustre Wohltätigkeitsauktion, als Zuschauermagnet eine indianischen Trachtenschau und mehr - dann hat man das Rezept für den Jahrzehnte langen Erfolg.

Hinter dem "Indianer Markt" steht die "Southwestern Association for Indian Arts" (SWAIA; Südwestgesellschaft für Indianische Kunst). Diese wurde 1922 als gemeinnützige Organisation gegründet und verfolgt die Unterstützung und Stärkung der indianischen Kulturen. Dabei konzentriert sich SWAIA auf Schulungsprogramme und Kunst orientierte Ausstellungen, die der Bewahrung der Kultur dienen, zum interkulturellen Verständnis ermuntern und Indianern wirtschaftliche Möglichkeiten eröffnen. Der "Indianer Markt", die älteste Schau mit Wettbewerbsausschreibung, ist die wichtigste Säule der SWAIA.

Die Preisträger der Gesellschaft des Jahres 2002
Einer der Höhepunkte ist die Möglichkeit, die preisgekrönten Werke derer zu sehen, die als Gewinner aus der Ausschreibung der Gesellschaft für das Jahr 2002 durch die SWAIA hervorgegan-gen sind. Dabei handelt es sich um viel versprechende Künstler/innen, deren Werke über dem Durchschnitt liegen. Die Preisträger erhalten neben dem Preisgeld in Höhe von $ 3.000 für die Dauer des Marktes auch einen der heiß begehrten Marktstände. Die Preisträger des Jahres 2002 sind Dale Edaakie, ein Juwelier der Zuñi, sowie sechs Künstler/innen der Navajo, nämlich die Weber/innen Michelle Laughing, Morris Muskett, Tahnibaa Naataanii und Anita Tsosie, der Maler Keith Smith und der Juwelier Michael Slim.

Edaakie erzählt, wie er und seine Familie sich seit Jahren um einen Marktstand auf dem "Indianer-Markt" bemüht haben (die Auswahl zum Markt unterliegt einer großen Konkurrenz) und wie sehr er sich darüber freut, dass ihn die Gesellschaft jetzt zur Teilnahme zugelassen hat. Edaakie wird Stein- und Muschelintarsien in Form von Tier- und Vogelmotiven einschließlich irisierender Kolibris ausstellen, wie sie für Halsketten und Concho-Gürtel verwendet werden.

Sein Preisgeld wird er zur Beschaffung von Schaukästen in einem Galerie-Atelier verwenden, in dem seine Familie und weitere Künstler/innen der Zuñi ihre Werke verkaufen können. "Ich werde auch Künstler/innen dafür bezahlen, damit sie ihre Arbeiten der Gemeinde vorstellen", sagte er.

Ein anderer Preisträger, der Weber Morris Muskett, ist Autodidakt und einer der wenigen männlichen Weber der Navajo, die in traditionellem Stil weben. Hauptberuflich arbeitet er als Bauingenieur. "Ich war völlig überrascht, als ich angerufen wurde", bemerkt er, "ich konnte es kaum glauben. Auf die Ausschreibung der Gesellschaft melden sich so viele Konkurrenten. Ich hatte es schon einmal versucht, wurde aber abgewiesen. SWAIA macht das hier, um indianische Kunst und Neuerungen zu fördern. Es soll der Welt das Beste vom Besten angeboten werden können. Ich denke, durch die Webarbeiten, die auf dem "Indianer-Markt" zu sehen sind, möchte man dieser Kunst zu neuer Blüte verhelfen und das geschieht dadurch, dass Künstler/innen, die die unterschiedlichsten Themen bearbeiten, unterstützt werden," sagt Muskett.

Eine Armee Freiwilliger
Lange vor dem eigentlichen Marktwochenende beginnen die Vorbereitungen zum "Indianer-Markt" und diese Arbeiten werden zumeist von Freiwilligen ausgeführt. Wendy Blackwell, Koordinatorin der Freiwilligen, ist für den Organisationsplan verantwortlich, auf dem, grob geschätzt, 350 freiwillige Helfer eingetragen sind, die auf 800 Schichten einzuteilen sind. Aber auch die Ausschussvorsitzenden der SWAIA setzen sich in unzähligen freiwilligen Stunden für die große Veranstaltung ein. "Unsere Freiwilligen sind sowohl Leute von hier, als auch von auswärts, die nicht bloß als Touristen hier sein wollen", erklärt Frau Blackwell. "Wir sind stets für neue Leute offen. Diejenigen Freiwilligen, die sich für Kunst interessieren, werden gerne eingesetzt, während das Preisgericht tagt. So sehen sie die Arbeiten bereits bei deren Ankunft. Diejenigen, die den Rummel und die Medien mögen, setzen wir bei den Vorschauen und den Auktionen ein. All das ist ein aufregender Spaß."

Vom College-Studenten bis hin zum 70-jährigen setzen sich die Freiwilligen zusammen. "Es melden sich sehr viele "Indianer" freiwillig, vor allem aus den Pueblos," und, "wir hätten gerne noch mehr", fügt sie hinzu. Leute, die den Wunsch haben, mitzuhelfen, sollten sich frühzeitig melden. "Zu Mitte Juli müssen wir so ziemlich komplett sein; ein paar Extrahände sind immer zu gebrauchen."

Was geschieht wann und wo?
Donnerstag, den 15. August
Die Künstler/innen bringen, unterstützt von freiwilligen Helfern, ihre Arbeiten zur Begutachtung in das Sweeney Center. Dabei handelt es sich um ausgesuchte Stücke ihrer Töpfer-, Schmuck-, Textil-, Korb- und Perlarbeiten, ihrer Gemälde oder Skulpturen oder andere Schätze. Am Donnerstag Abend ehrt SWAIA die für ihr Lebenswerk ausgezeichneten Personen, deren Namen bei Redaktionsschluss noch nicht vorlagen, sowie die Preisträger der Gesellschaft für das Jahr 2002. Diese Veranstaltung, zu der nur geladene Gäste zugelassen sind, findet in einer privaten Galerie statt. Sie ermöglicht es den Hauptmäzenen der Gesellschaft, speziellen Gästen und Sponsoren die Preisträger persönlich zu treffen und deren Kunstwerke zu sehen.

Freitag, den 16. August
An diesem lang ersehnten Tag, an dem die Jury entscheidet, wählen alt erprobte Augen und Hände die Gewinner der zahlreichen Kunstrichtungen aus. Die Preisträger erhalten einen Geldpreis und das geschätzte "Santa Fe Indianer-Markt Band". Dieses wertet den/die Künstler/innen nicht nur auf, sondern steigert auch seine/ihre Verkaufsaussichten. Zuletzt wählt die Jury "Das beste Werk der Schau", eine Prestige trächtige Auszeichnung. Im vergangenen Jahr wurde diese Auszeichnung einem wunderschönen, silbrig-schwarzen mit Glimmer gefertigten Krug aus der Hand Lonnie Vigils zuteil, einer Künstlerin aus dem Nambe Pueblo.

Freitag Abend: zur Vorbesichtigung preisgekrönter Werke gehen sie zum Sweeney Zentrum und schauen sich dort um; besichtigen sie die Schätze, die am nächsten Morgen auf dem Marktplatz zu sehen sein werden und nehmen sie an der aufregenden stummen Benefizauktion teil, auf der etwa 50 Werke verschiedener Richtungen, die von Künstler/innen gestiftet wurden, versteigert werden. Der "sneak peek" (Vorbesichtigung) beginnt um 17.00 Uhr für VIP-Mitglieder von SWAIA; für sonstige SWAIA-Mitglieder öffnen sich die Tore um 19.00 Uhr (Mitgliedschaft kann am Eingang erworben werden). Der Künstler, der das Poster für den "Indianer-Markt" 2002 gestaltet hat, wird Kopien Hand signieren. Die Vorschau endet um 21.00 Uhr, damit die Künstler/innen ihre Werke zur Eröffnung der Schau am nächsten Morgen einsammeln können.

Samstag, der 17. August
Um 07.00 Uhr morgens öffnet der "Indianer-Markt" seine Pforten. Die interessiertesten Käufer versammeln sich bereits vor der kühlen Morgendämmerung vor dem Verkaufsstand ihres favorisierten Künstlers, um sich als erster den Zuschlag auf die neuen und/oder preisgekrönten Werke zu sichern. Mit einem Frühstücksburrito und einer Tasse Kaffee von einem der Imbissstände kann während des Einkaufes neue Energie geschöpft werden.

Am Samstagabend findet die SWAIA-Auktion statt, sowie eine weitere stumme Versteigerung. Dieses Jahr wird das Thema vermutlich "Route 66" lauten, mit Keith Secola und der "Wild Band of Indians" (Wilde Indianer-Bande), wohl bekannt geworden durch ihren Schlager-Hit "NDN Cars", die probeweise aufgebaut haben , um für die musikalische Begleitung zu sorgen. Glanzstück der Auktion ist ein Triumph TR-6 Kabrio. Das Auto wurde durch Vermittlung des ehemaligen SWAIA-Vorstandmitgliedes Sam Ballen und seiner Ehefrau Ethel vom La Fonda Hotel gestiftet. Der Wagen wurde von Dan Namingha bemalt und von Marcus Amerman, Upton Ethelbar jr., Connie Tsosie Gaussoin, David Gaussoin, Wayne Gaussoin, Teri Geeves, Oreland Joe, Jamie Okuma und Virgil Oritz mit Accessoires bestückt. Den letzten Schliff gibt ein perlenbestickter Kartenhalter, ein spezieller Rahmen für das Nummernschild, ein speziell angefertigter Schaltknüppel sowie ein einzigartiger "Mitfahrer". Die Erlöse fließen dem Institute of American Indian Arts (Institut für indianische Kunst) und SWAIA zu.

Sollte sie der Triumph nicht locken, wie wäre es dann mit Kunstwerken anderer prominenter SWAIA-Künstler/innen oder der Gelegenheit, eine Modell-Ausgabe der gepriesenen Popé Skulptur von Cliff Fragua zu erwerben? Rechnen sie mit einer Eintrittsgebühr in Höhe von etwa 100 US-$. Das Ereignis beginnt normalerweise um 18.00 Uhr im La Fonda Hotel.

Sonntag, der 18. August
Sie sollten auch nicht versäumen, während des Marktes zwischen 08.00 und 17.00 Uhr den indianischen Bekleidungswettbewerb anzuschauen. Dieser findet für gewöhnlich am Morgen auf dem Marktplatz statt. Ein farbenprächtiges Angebot sowohl traditioneller als auch moderner Kleidung verwandelt die Bühne in ein Modeerlebnis. Diese kostenlose Schau hilft dem Publikum neben dem visuellen Eindruck auch, die unterschiedlichen indianischen Kulturen kennen zu lernen.

Zusätzlich zu diesen, im Programm ausgewiesenen, Veranstaltungen kann der Besucher über das gesamte Wochenende den Jugendmarkt besuchen, der auf einem angrenzenden Areal für etwa ein Dutzend Künstler/innen unter 18 Jahren eingerichtet worden ist. Er kann auch entsprechende Stände aufsuchen, an denen Herstellungsweisen vorgestellt werden. Ebenso gibt es Informationsstände, die von anderen gemeinnützigen Verbänden und Institutionen errichtet wurden, sowie einen Buch-Stand, wo Autoren über ihre jüngsten Veröffentlichungen zum Thema "Indianer" sprechen und Publikationen signieren. Außerdem kann sich der Feinschmecker an Navajo Tacos, Hammelgulasch, geröstetem Mais und anderen indianischen und südwestlichen Köstlichkeiten laben.

Weitere Informationen über den Santa Fe Markt finden sie unter der SWAIA Telefonnummer 505/983-5220 oder sie besuchen die website unter www.swaia.org.



Anne Hillerman is the co-author of The Insiders' Guide to Santa Fe and the founder of Wordharvest writers' workshops. She has written for many major magazines on New Mexico subjects and was an editor for many years with the Albuquerque Journal North.